Ländliche Räume ohne Medien verhindern

Strukturschwache Regionen ohne Medien sind eine Horrorvorstellung. Ohne Medien – keine effektive Kontrolle von Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Darum ist es wichtig, dass Medienanbieter weiterhin im ländlichen Raum Flagge zeigen. Lokaljournalismus als Zuschussgeschäft funktioniert nicht. Es geht nur, wenn auch Geld verdient wird. Noch gibt es überall in Deutschland Lokalzeitungen und Anzeigenblätter.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zwar nicht hyperlokal. Er berichtet nicht über Gemeinderatssitzungen, auch weil dieses nicht zu seinem Versorgungsauftrag gehört. Er ist aber präsent. So gibt es zum Beispiel beim RBB-Fernsehen (Rundfunk Berlin-Brandenburg) 14-mal am Tag Regionalnachrichten in einer Länge von 2,5 Minuten. Aus allen Regionen wird täglich ein Stück produziert.  

Zeitungsaustragen subventionieren?

„Wir haben extrem hohe Kosten für die Zustellung“, so Dr. Jörg Eggers (Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter e.V.). Damit benennt Eggers eines der wichtigsten Probleme der Medienanbieter in dünn besiedelten Regionen. Für Lokalzeitungen ist der Vertrieb noch teurer als für Anzeigenblätter, weil sie nur einige und nicht alle Haushalte versorgen. Das Thema ist bei der Bundesregierung angekommen. „Wir müssen über Zuschüsse nachdenken und möglichst dahin kommen, dass sie fließen. Sie wären aber sehr hoch“, antwortet Elisabeth Motschmann MdB. Ob das der richtige Weg ist, muss noch diskutiert werden. Schließlich geht es um viel Geld. Von 250 Millionen Euro ist die Rede. „Wenn wir darüber sprechen, dass Verlage für den Vertrieb und nicht für Journalismus unterstützt werden, wird mir angst und bange“, widerspricht Andreas Oppermann (RBB).

Alles digital?

Über die Frage, ob gedruckte Zeitungen überhaupt noch erforderlich sind und ob sie eine Zukunft haben, lässt sich trefflich streiten. Digitale Medienangebote haben an Reichweite gewonnen. Um den ländlichen Raum besser mit Lokaljournalismus zu versorgen, braucht es endlich schnelles Internet. Damit ist es aber nicht getan. Wenn viele unterschiedliche Medienangebote in einer Region vorhanden sind, kann es sinnvoll sein, diese zu vernetzten, um Synergieeffekte zu erzielen. Wie das gehen könnte, zeigt die Medienanstalt Berlin-Brandenburg in ihrem Projekt Smart Village in Bad Belzig. Dazu gehört auch, Inhalte besser sichtbar zu machen. „Im ländlichen Raum gibt es viele lokale Informationen. Man muss sie nur finden“, so Steffen Meyer-Tippach (Medienanstalt Berlin-Brandenburg).

In einigen Gemeinden ist deren örtliche Facebook-Gruppe das wichtigste »Medium«. Das funktioniert aber nicht immer besonders gut. Hate Speech und Fake News vergiften auch hier die Debatten.

Beispiel Bundespresseamt

Wer Menschen in ländlichen Regionen mit Informationen versorgen will, steht vor einer großen Herausforderung. Das gilt auch für das Bundespresseamt. „Wir müssen raus aus der Berliner Blase. Wir müssen schauen, wie erreichen wir die Menschen. Wir diskutieren täglich darüber“, macht Oliver Mohr (Bundespresseamt) deutlich. Darum ist das Bundespresseamt auch mit eigenen Veranstaltungen in kleineren Orten präsent. Hinzu kommen die sozialen Medien. Vier Mal im Jahr erscheint zudem ein gedrucktes Magazin in einer Auflabe in Höhe von 500.000 Exemplaren.  

Wenn selbst die Bundesregierung auf Print setzt, sind gedruckte Medien noch nicht am Ende.  

Matthias Bannas

Veranstaltung: PR trifft Journalismus – Ländliche Räume ohne Medien verhindern

Über den Lokaljournalismus diskutiert haben Oliver Mohr (Referatsleiter Kommunikation für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bildung Bundespresseamt), Elisabeth Motschmann MdB (Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien), Andreas Oppermann (Redaktionsleiter Aktuelles Regionalstudio des RBB in Frankfurt Oder), Steffen Meyer-Tippach (Referent Hörfunk und Digitale Projekte Medienanstalt Berlin-Brandenburg) und Dr. Jörg Eggers (Geschäftsführer Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter e.V.). Moderiert hat Christoph Nitz (meko factory und Vorstand Deutscher Journalistenverband DJV Berlin e.V.).

Hier könnt Ihr das Video der vollständigen Veranstaltung anschauen. – Verlinkung zu Facebook.

PRtrifftJournalismus ist eine Veranstaltungsreihe der meko factory – Werkstatt für Medienkompetenz gemeinnützige GmbH in Kooperation mit Bundesverband Deutscher Pressesprecher – Landesgruppe Berlin-Brandenburg, Deutscher Journalistenverband DJV Berlin e.V. Mit freundlicher Unterstützung durch Landau Media.

Fotocredit: Foto: Tobias Koch für meko factory

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