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„Wie Konzerne uns mit Greenwashing täuschen und so die Klimakrise verschärfen“: Im neuen Report der NGO Foodwatch wird die CO2-Kompensation der Wirtschaft aufs Korn genommen. Kompensation spielt für einige Unternehmen eine wichtige Rolle, um sich gegenüber ihren Kunden als klimafreundlich darzustellen. Foodwatch gelingt es mit einer Vielzahl von Hinweisen und Indizien, die Glaubwürdigkeit der an der Kompensation beteiligten Unternehmen und Organisationen anzukratzen. Halten die Kompensationsprojekte, was sie versprechen, wird überhaupt richtig gemessen? Und welche Schlussfolgerung / Forderung leitet sich daraus ab? Ganz einfach; die Unternehmen sollen sich selbst nachvollziehbar für den Klimaschutz engagieren, anstatt zweifelhafte Kompensationsprojekte zu nutzen. Mir gefällt das Prinzip der Reports von NGOs gut; eben weil sie nicht vorgeben eine unabhängige Studie zu sein. (MB)

„Anhebung des Renteneintrittsalters hat negative Konsequenzen für die Gesundheit“: Nachdem deutlich geworden ist, wie stark die negativen Auswirkungen der Rente mit 63 auf die Finanzen der Rentenkasse sind, wäre es eigentlich naheliegend, erneut eine Debatte über das Renteneintrittsalter zu führen. Ein Beitrag zur Debatte ist diese DIW-Untersuchung, die auf Grundlage der Anhebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 63 Jahre die gesundheitlichen Auswirkungen behandelt. Das Ergebnis ist, dass die gesundheitliche Situation der Frauen, die länger arbeiten mussten, schlechter ist als die der Frauen, die früher in Rente gehen konnten. Eine mögliche Erklärung dafür ist, das Arbeitsstress im Alter nicht mehr so gut weggesteckt werden kann. Die Unterschiede sind im niedrigen einstelligen Bereich; also nicht so gravierend. Im Verhältnis dazu sind die Auswirkungen auf die Finanzen der Rentenkasse für ein höheres Renteneintrittsalter überdeutlich. (MB)

„Chemiegeschäft weiter unter Druck“ – Quartalsbericht des VCI-Verbandes: Wie steht es um die Chemikalienproduktion in Deutschland? Die aktuellen Zahlen des Branchenverbandes rechtfertigen keinen Optimismus. Die Umsätze im Inland gehen zurück, genau wie die Auslastung der Anlagen und die Kosten der Branche steigen. Was für die Branche schlecht ist – die höheren Produktionskosten können nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden – ist für die Kunden und damit am Ende für die Verbraucher ein Kostenvorteil. Die Chemieindustrie ist die wichtigste Grundstoffindustrie in Deutschland. Hier könnt Ihr den Bericht lesen. (MB)

Die IAB-Stellungnahme zum Bürgergeld-Gesetz: Ein großes Team des IAB-Instituts der Bundesagentur für Arbeit hat eine Stellungnahme zu den Auswirkungen des Bürgergeldes der Ampel auf den Arbeitsmarkt ausgearbeitet. Die Einschätzung fällt überwiegend positiv und zustimmend aus. Die Einschränkung der Sanktionen führe zu mehr Vermittlungen in höherqualifizierte Jobs. Das gelte auch für die Abschaffung des Vermittlungsvorrangs. Der Kooperationsplan ohne rechtliche Bestandteile habe den Vorteil, dass er viel klarer und verständlicher formuliert werden kann. Bei dem Punkt gehe ich ausdrücklich mit. Laut dem IAB fallen auch die großzügigeren Schonvermögensregeln kaum ins Gewicht, weil nur relativ wenig Menschen davon betroffen sein werden. Viele Aspekte der Stellungnahmen sind mit mehreren Studien hinterlegt. Ich bin gespannt, wie die Gesetzesinitiative nach dem Vermittlungsausschuss ausschauen wird. Nächste Woche steht sie bei der Sondersitzung des Bundesrates auf der Agenda. (MB)

“Brothers in Arms: The Value of Coalitions in Sanctions Regimes”: Wie wirksam sind Wirtschaftssanktionen? Ein DIW-Team hat dazu jüngst eine Studie zu den Sanktionen gegen den Iran und gegen Russland veröffentlicht. Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Wohlfahrtsverluste in den Zieländern der Sanktionen höher sind als in den Ländern, die die Sanktionen verhängt haben. Allerdings sind die Lasten der Sanktionen ungleich verteilt. Darum könnte mit einem Lastenausgleich die Bereitschaft zur Beteiligung an Sanktionen gestärkt werden. Sanktionen wirken deutlich besser, wenn sich mehr Partner beteiligen. Das gilt insbesondere für große Handelsländer wie China. Die in der Studie aufgezeigten Trends erscheinen mir nachvollziehbar, die ebenfalls genannten absoluten Zahlen nicht. Denn wie in der VWL üblich, wurde mit einem Modell absoluter Konkurrenz (perfect competition) gerechnet. Das deckt sich aber nicht mit der Wirklichkeit. (MB)

„Barometer Personalvermittlung 2022“: Trotz der Wirtschaftskrise ist der Fachkräftemangel für viele Unternehmen eine große Herausforderung. Darum ist es für sie wichtig zu erfahren, mit welchen Stellschrauben sie Einfluss auf den Arbeitsmarkt nehmen können. Einige Fragen beantwortet die Studie, die die Personalmarktforschung index Research im Auftrag des Verbandsbereichs Personalvermittlung des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP) durchgeführt hat. Es geht um aktuelle Trends am Arbeitsmarkt und die Interaktionen von Unternehmen, Fachkräften und Personalvermittlern. Indeed ist die wichtigste Job-Plattform, sehr wirkungsvoll sind aber auch gut-gemachte, eigene Karriere-Websites. Insbesondere jüngere Fachkräfte begrüßen den Einsatz digitaler Tools. Kandidaten und Kunden sind überwiegend zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit von Personalvermittlern. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt. In der Studie stecken noch viel mehr Learnings. (MB)

“German Asset Manager and Fossil Fuel Expansion”: Ein aktueller Report zum Anlageverhalten der Investmentgesellschaften Allianz GI, Union Investment, Deka Investments und DWS von Greenpeace und Partnern hat in den letzten Tagen viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Die Anlage-Manager der Gesellschaften haben sich im Rahmen der Net Zero Asset Managers Initiative (NZAM) faktisch zur nachhaltigen Anlage verpflichtet. Dann sieht es natürlich blöd aus, wenn sie vielfach in Unternehmen und Fonds invertiert haben, die diesem Anspruch nicht zweifelsfrei gerecht werden. Ein wenig schief bei dem Vorwurf ist, dass auch die Investments passiv gemanagter Fonds (ETFs, usw.) kritisiert werden. Darauf haben die Anlagemanager aber überhaupt keinen Einfluss. Eigentlich passt die Kritik auch nicht mehr in die Zeit. Investitionen in die Förderung von Rohstoffen sind wichtiger denn je, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Negativ ist mir aufgefallen, dass selbst das Handelsblatt von einer Studie schreibt, obwohl es hier um einen Report – eine Stellungnahme – mehrerer NGOs geht. (MB)

IAB-Kurzbericht zur „Regionalprognose für 2022/2023: Krisen dämpfen die positive Entwicklung in nahezu allen Regionen“: Das Institut der Bundesagentur für Arbeit IAB analysiert in seinem jüngsten Kurzbericht die regionalen Arbeitsmärkte Deutschlands. In der Betrachtung Gesamtdeutschlands geht das Institut trotz Rezession von einem Beschäftigungswachstum aus; besonders stark in Berlin, warum gerade da habe ich nicht rausgelesen. Ansonsten wachsen städtische Regionen stärker als ländliche Regionen. Gleichzeitig nimmt die Arbeitslosigkeit im Grundsicherungsbereich zu. Der Grund dafür ist die Fluchtbewegung aus der Ukraine. Die Prognose ist natürlich sehr unsicher, weil niemand weiß, wie sich die Energie- und Rohstoffmärkte entwickeln. (MB)

„Nachhaltige Finanzierungen von Pflegeleistungen“: Auf Grund des demographischen Wandels und der Ausweitung von Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung stellt sich auch in diesem Zweig der Sozialversicherung die Finanzierungsfrage. In einem aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) wird unter anderem vorgeschlagen, eine obligatorische, private Pflegezusatzversicherung einzuführen. Damit liesse sich die Ausweitung der Belastung junger Generationen abmildern. Unerlässlich ist aus Sicht des Beirats ein Verzicht auf Leistungsausweitungen. Auch die Umwandlung in eine Vollversicherung findet aus diesem Grund keine Zustimmung. Gut gefällt mir, dass der Beirat alle politischen Vorschläge rund um die Pflegeversicherung – inklusive der Buergerversicherung – kurz durchdiskutiert. Hier könnt Ihr das Gutachten anschauen. (MB)

PolitikfeldMonitor von der Agentur elfnullelf: Jeder ist beim Monitoring seiner Themen auf eigenen Pfaden unterwegs, benutzt bestimmte Tools und / oder pflegt ein Stakeholder-Netzwerk, dass ihn auf dem Laufenden hält. Aber ab und an neue Wege zu beschreiten, kann nicht schaden. Elfnullelf bietet ihren PolitikfeldMonitor für die Themenfelder: Energie, Mobilität, Digitalisierung, Bauindustrie, Finanzindustrie und Gesundheit jetzt kostenfrei an. Konkret geht es um den Einfluss auf verschiedene Branchen und deren Geschäftsmodelle. Ihr müsst euch hier registrieren und könnt dann auf der Plattform suchen und erhaltet zusätzlich einen wöchentlichen Newsletter mit Hinweisen auf aktuelle Gesetzgebungsverfahren. Zu einigen Suchbegriffen (zum Beispiel Cannabis) findet Ihr viele Analysen; zu anderen (zum Beispiel Altersvorsorge) eher wenig. Die Analysen sind in der Regel nicht brandneu, sie sind aber dennoch hilfreich. (MB)