Jan Böhmermann spricht mit Wolfram Weimer, Eva Schulz moderiert
Mittwoch, 08. Oktober 2025
Ein Abend im HKW (Haus der Kulturen der Welt) an dem zu sehen war, dass der talkshowgestählte Bundeskulturminister mit Druck umgehen kann. Denn wie zu erwarten, ging es zum Einstieg um die Absage des Chefket-Konzerts. Und das war auch der interessanteste Teil des Abends. Die sich anschließende Debatte zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk erschöpfte sich in Begriffsklauberei. Zum Abschluss gab es mit Google-Zerschlagung und KI noch zwei Wohlfühlthemen für Weimer. Der Abend endete versöhnlich und mit Zuversicht; what goes up, must come down, die AfD ist bald unter 10 Prozent.
Böhmermann hatte am 7. Oktober ein Chefket-Konzert im HKW geplant. Nur dumm, dass kurz vor dem Termin Fotos des Künstlers in antisemitischer Kleidung auftauchten. Das hatte Weimer zum Anlass genommen, öffentlich vor Antisemitismus bei dem Konzert zu warnen. Das wiederum nutzte Böhmermann bei der Veranstaltung für den Vorwurf, Weimer würde sich in das HKW-Programm einmischen und er hätte aufgrund von Berichterstattung von Nius und Bild so gehandelt. Weimer lies das nicht auf sich sitzen. Er wies auf antisemitische Vorfälle bei der Berlinale und der Documenta hin. Außerdem begründete er sein Handeln mit dem Hass und dem Antisemitismus, dem in Deutschland lebende Juden immer stärker ausgesetzt sind.
Die Frage, welchen Einfluss der Staat auf die Kultur – nicht – ausüben sollte und ob Politiker unzulässige Entscheidungen treffen, indem sie sich öffentlich zu kulturpolitischen Fragen positionieren, wurde zwischen Böhmermann und Weimer nicht geklärt. Ich finde es gut, wenn Politiker in diesen Fragen klar Stellung beziehen. Das ist ihre ureigene Aufgabe.
Am Ende hat Böhmermann gesagt, dass er mit dem Wissen von heute nicht noch mal ein solches Konzert am 7. Oktober veranstalten würde. Ich muss gestehen, als die Geschichte hochkochte, war mein erster Gedanke, dass Absicht dahintersteckt. Das hat Böhmermann sehr überzeugend ausgeräumt.
Bei der Veranstaltung waren Kameras und Mobiltelefone nicht zugelassen. (MB)