Michael von Förster ist Kommunikations- und Vertriebsprofi, im Hauptberuf seit über zehn Jahren Chef des VdR – Der Tabakmittelstand. Er beschäftigt sich damit, wie eine „Next Gen Beteiligung“ und ein Generationenwechsel in der Gesellschaft erfolgreich vollzogen werden kann.
Michael von Foerster zum Generationenwechsel
Wir feiern das politische Empowerment der jungen Generation – solange es folgenlos bleibt. Wo endet für Sie Mentoring 2.0, und wo beginnt die echte Übergabe von Macht?
Mentoring 2.0 ist nicht das Teilen von Tipps – es ist das Teilen von Zugang: zu Räumen, Informationen und Entscheidungsvorlagen. Echte Machtabgabe beginnt dort, wo Verantwortung nicht nur delegiert, sondern abgesichert wird: mit klaren Mandaten, Budget-Realität oder formaler Zuständigkeit. Wer Nachwuchs „sichtbar macht“, aber nicht entscheidungsfähig, betreibt Imagepolitik. Resilienz entsteht nicht durch Härte – sondern durch Verantwortung mit Rückendeckung.
Warum werden junge Stimmen gern sichtbar gefördert – aber ausgebremst, sobald sie Entscheidungsprozesse, Routinen oder Besitzstände ernsthaft infrage stellen?
Weil Sichtbarkeit ungefährlich ist – Gestaltung ist es nicht. Systeme lieben frisches Personal, solange es die alte Logik bestätigt; sie wehren sich, sobald jemand Ownership zeigt und die Kosten von Bequemlichkeit offenlegt. Genau hier trennt sich Nachwuchsverwaltung von Leadership: Gute Führung schützt nicht die Komfortzone, sondern den Auftrag. Wer Mut zur Verantwortung fordert, muss auch Konfliktfähigkeit zulassen – sonst bleibt Talent bloß Dekoration.
Ist das aktuelle Gerede über „Next Gen Beteiligung“ echte Transformation – oder ein Beruhigungsnarrativ eines Systems, das Veränderung rhetorisch bejaht und praktisch fürchtet?
Transformation erkennt man nicht an Worten, sondern an Reibung: Werden Entscheidungen schneller, transparenter, nachvollziehbarer – oder nur die Panelbesetzungen jünger? Wenn Beteiligung ernst gemeint ist, verändert sie Verfahren: Wer setzt Agenden, wer schreibt Vorlagen, wer besitzt den nächsten Schritt. Ein System, das Veränderung nur erzählt, produziert Zynismus – ein System, das Verantwortung übergibt, produziert Resilienz. Und genau darum geht es: aus Beteiligung wird Leadership erst dann, wenn sie Risiko tragen darf.
Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte?
Entrecôte. Es ist einer der wenigen Orte in Mitte, der nicht permanent behauptet, Teil eines größeren Diskurses zu sein. Kein Konzept über dem Konzept – sondern Reduktion: ein klarer Raum, klare Entscheidungen.