42 Prozent der Deutschen halten Radfahren für gefährlich
Es ist nicht leichter geworden auf Berlins Radwegen. Die Radwege der Hauptstadt sind überfüllt. Steigendes Verkehrsaufkommen und zusätzliche Nutzer – breite Lastenräder, E-Bikes, E-Scooter führen zunehmend zu Konflikten. Berlin von Nord nach Süd zu durchqueren – mein persönlicher Weg zur Arbeit – ist mit vielen Gefahrenquellen verbunden. Die Radwege der Stadt sind oft unzureichend vom fließenden Kraftfahrverkehr abgegrenzt, es gibt für Radfahrer lange Rotphasen an Ampeln, Mischnutzungen mit Fußgängern, gefährliche Kreuzungen. In Berlin fehlen durchgängige Radfahrstraßen und die dazugehörige Infrastruktur, so wie man sie in vielen Städten in den Niederlanden oder Dänemark schon lange finden kann. Auch einfache Kiez-interne-Kurzstrecken lassen sich in Berlin nicht ohne weiteres mit dem Fahrrad zurücklegen – der Weg zum Fußballtraining durch die Pankower Florastraße oder zur Schule auf der stark befahrenen Wollankstraße sind für Grundschulkinder nicht einfach zu navigieren. Radwege werden regelmäßig durch Baustellenfahrzeuge, Lieferwagen (und parkende Eltern) verstellt. Nutzen Kinder den Gehweg, endet dies gerne auch mit Beschimpfungen und Bedrohungen durch Fußgänger. Laut einer Ipsos Umfrage fahren 43 Prozent der Deutschen wenigstens einmal pro Woche mit dem Fahrrad, für beinahe ein Viertel ist das Fahrrad der präferierte Weg für Kurzstrecken (in den Niederlanden 45%). Jeder zweite Deutsche (53%) ist der Meinung, Investitionen in die Radfahrinfrastruktur sollten gegenüber Investitionen in den Autoverkehr priorisiert werden. 42 Prozent der Bevölkerung halten das Radfahren an ihren Wohnorten jedoch für gefährlich. Zum Vergleich, in den Niederlanden sind dies nur 14 Prozent. Der Berliner Senat setzt mit den angedrohten Einsparungen für die Erneuerung und den Ausbau von Radwegen ein falsches Signal. Radfahren, gerade in einer Stadt wie Berlin, kann einen wesentlichen Beitrag zur verbesserten Lebensqualität und klimaneutraler Mobilität leisten. Da sollte nicht gekürzt werden. (RG) Die Daten finden Sie auf der Website von Ipsos.