7 Prozent der Deutschen mit der Arbeit Wissings zufrieden
Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL macht den Schienenverkehr berechenbar. Nun können wir uns sicher sein, es fährt kein Zug. 2022 war die Deutsche Bahn Europas Schlusslicht in Pünktlichkeit, 2023 gab es zwar eine Verbesserung (nur jeder dritte Fernzug war unpünktlich), aber im November wurde ein trauriger Tiefststand erreicht: knapp 50 Prozent aller Fernzüge rollten zu spät ins Ziel. Am pünktlichsten, wen überrascht das, sind die Schweizer mit 97,7 Prozent Pünktlichkeit. Die Gründe sind im maroden Netz zu suchen, laut Netzzustandsbericht der Bahn erhält das Schienennetz Deutschlands lediglich die (Eigen-)Note 3. Das soll sich ändern. Für die nächsten Jahre plant die Bahn eine der größten Generalsanierungen, eine „Mammutaufgabe“ so Volker Wissing. Laut DB-Vorstandschef Richard Lutz wird dies „die größte Zeitenwende für die Eisenbahn in Deutschland seit der Bahn-Reform“. Betroffen sind 40 Streckenabschnitte mit einer Gesamtlänge von mehr als 4.000 Kilometern. Ab Sommer 2024 geht es los, wohl auch für die Trasse Berlin – Hamburg, die ich aus beruflichen und privaten Gründen häufiger nutze. Die Pünktlichkeit des Personenfernverkehrs soll im Zuge der Modernisierung auf 80 Prozent steigen. Dafür stellt die Bundesregierung (Stand September 2023) bis 2027 rund 40 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung (der Impact of Investment verfehlt damit die Marke der Schweiz signifikant). Diese Woche gab es in dem Zusammenhang auch die Vorstellung der DB InfraGO AG im Berliner Futurium, um mit 300 geladenen Gästen die Zeitenwende einzuläuten. Bei all dem Tatendrang sagt das Handelsblatt für die kommenden Monate noch einmal mehr Chaos für die Reisenden voraus. Leider stößt der Plan auch aufgrund des Karlsruher Haushaltsentscheids an finanzielle Grenzen, zumindest lässt sich das zwischen den Zeilen in einem Interview Volker Wissings mit der F.A.Z. vom 22.01.2024 herauslesen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Bahn wird deshalb wohl kaum steigen. Im Herbst 2023 waren laut einer Ipsos Umfrage 31 Prozent der Deutschen mit der Infrastruktur der Bahn zufrieden. Das entspricht Platz 26 von 31 Ländern. Auch für Volker Wissing bleibt es ein weiter Weg nach oben: nur 7 Prozent der Deutschen äußern sich zu Anfang des Jahrs positiv über seine Arbeit. Den Tiefstwert teilt sich der Verkehrsminister mit den Kolleginnen Geywitz und Stark-Watzinger. Gut möglich, dass sich meine Familie 2024 nun doch ein Auto kauft – trendbewusst, elektrisch, made in China. (RG)
Weitere Quellen: Ampel-Spitzen verlieren weiter an Rückhalt | Ipsos + 20230915_Faktenblatt_Bund-und-DB-legen-Streckenabschnitte-fuer-Generalsanierung-fest-data.pdf (deutschebahn.com)