Arbeitslosigkeit und Korruption bestimmen das spanische Sorgenbild, trotzdem ist die Stimmung ist gut
Von den 720 Sitzen des neuen EU-Parlaments wird Spanien 61 besetzen, was knapp unter 10 % entspricht und die viertgrößte Gruppe an Parlamentariern darstellt. Mit 1,46 Billionen Euro Bruttoinlandsprodukt ist es auch die viertgrößte Wirtschaftskraft in der EU. Ein wichtiges Land also, dessen Bürger mit ihren Stimmanteilen im EU-Parlament auch auf Deutschland einen Einfluss haben werden.
Laut der des Ipsos Sorgenmonitors “What Worries the World” unterscheiden sich die Sorgen der Spanier von denen der Deutschen. In Spanien sorgen sich die Menschen eher über Arbeitslosigkeit: 40 Prozent der Bevölkerung sehen dies als eines der drei größten Probleme des Landes. Das überrascht wenig, denn Spanien hatte auch im Frühjahr 2024 mit 11,5 Prozent die höchste Erwerbslosenquote in der Eurozone, während sie in Deutschland im gleichen Zeitraum bei nur 3,2 Prozent lag. Zusätzlich machen sich Spanier Sorgen um ihre medizinische Versorgung (30%) und jeweils 29 Prozent sehen in Armut und soziale Ungleichheit sowie in der hohen Inflation die größten Herausforderungen des Landes. Auch Korruption nimmt einen besonderen Stellenwert ein: laut einer Eurobarometer Flash-Studie von 2023 sind 89 Prozent der Spanier der Meinung, Korruption sei in Spanien weit verbreitet. In Deutschland sind lediglich 57 Prozent der Bürger dieser Ansicht. Klimawandel ist in Spanien zwar ein wichtiges Thema, hat in dem iberischen Land jedoch nicht den gleichen Stellenwert wie in Deutschland: Für lediglich ein Fünftel der spanischen Bevölkerung ist der Klimawandel gegenwärtig eine der größten Sorgen. Trotz der wirtschaftlichen und institutionellen Herausforderungen ist die Stimmung in Spanien positiver als in Deutschland. In den letzten zwei Jahren sank die Unzufriedenheit der Spanier mit der Entwicklung ihres Landes von 70 Prozent auf nun 62 Prozent. Im April 2024 zeigten sich 38 Prozent der Bürger zufrieden. Das stellt die höchste Zufriedenheit der letzten 10 Jahre dar, während sich die Zufriedenheit der Deutschen auf einem Tiefpunkt befindet. Dabei ähnelt die politische Situation Spaniens, zumindest oberflächlich betrachtet, der deutschen ein Stück weit (Abgesehen von den Tumulten um die Frau von Ministerpräsident Pedro Sánchez und dem angedrohten Rücktritt). Auch in Spanien regiert eine Koalition (auf dem Papier ideologisch homogener als die Ampel) aus der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei und der spanischen Linkspartei Movimiento Sumar. Ähnlich wie in Deutschland ist nicht die Regierungspartei des Ministerpräsidenten führende politische Kraft des Landes, sondern die konservative Volkspartei. Letzte werden laut einer Ipsos Umfragen für Euronews auch die kommenden EU-Parlamentswahlen für sich gewinnen. Vielleich begründet sich die gute Stimmung mit der vergleichsweisen guten Wachstumsrate der spanischen Wirtschaft. Laut Eurostat hatte Spanien in Q1 2024 das größte Wachstum mit 0,7 Prozent der vier größten Volkswirtschaften der EU und soll 2024 ein Wachstum von 1,7 Prozent realisieren, Deutschland jedoch nur 0,3 Prozent. Euronews | Euronews Polls Centre – Europe’s interactive source for polls, insights and analysis for EU Parliamentary elections, What Worries the World – April 2024 | Ipsos, Euro area unemployment at 6.5% – Eurostat (europa.eu), GDP up by 0.3% in both the euro area and the EU – Eurostat (europa.eu), Economic forecast for Spain – European Commission (europa.eu), Corruption in the public opinion – European Commission (europa.eu)