Blitzumfragen nach TV-Duellen sind nur bedingt verlässlich
Viele von euch haben sicherlich mit großer Aufmerksamkeit die Kanzlerduelle der Fernsehanstalten verfolgt, insbesondere das kürzlich ausgestrahlte Duell auf RTL zwischen Friedrich Merz, Alice Weidel, Olaf Scholz und Robert Habeck. Diese Sendung zog großes Interesse auf sich, da sie die Kandidaten ins Rampenlicht rückte und durch datenbasierte Analysen begleitet wurde. Besonders interessant ist dabei die Bewertung, welcher Kandidat am überzeugendsten, sympathischsten und kompetentesten erschien. Laut einer repräsentativen Blitzumfrage von Forsa, die der Sendung folgte, ging Friedrich Merz als klarer Gewinner des RTL-Quartetts hervor. 32 Prozent der befragten Zuschauer schätzten den Herausforderer der Unionsparteien als den kompetentesten Kandidaten ein. Der amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz erreichte mit 25 Prozent Platz zwei, während Robert Habeck und Alice Weidel jeweils von 18 Prozent der Zuschauer als kompetent wahrgenommen wurden und sich damit den dritten Platz teilen. Die Kandidaten der Parteien der „demokratischen Mitte“ schnitten im Vergleich zur AfD gut ab.
Die Reihenfolge stimmt auch mit den Umfragedaten zur Bundestagswahl überein – die Union gewinnt, gefolgt von SPD und den Grünen, auch wenn das Delta zwischen SPD und Grünen bei den Umfragen zur Wahlintention kleiner ausfällt. Alice Weidel wird der Position der AfD jedoch nicht gerecht. Die vergleichbar schlechte Performance der Kanzlerkandidatin lässt sich teilweise mit ihrer dürftigen fachpolitischen Leistung im Duell erklären. Merz, Scholz und Habeck wirkten informierter und sachlicher. Hinter Weidels negativer Wahrnehmung durch das Publikum verbergen sich jedoch auch methodische Gründe.
Meinungsforscher wissen, dass Telefonstichproben grundsätzlich einen Überschuss älterer Bürger und eine höhere Teilnahmebereitschaft im linksliberalen Milieu aufweisen. Außerdem werden Politiksendungen von Menschen verfolgt, die zumindest eine gewisse inhaltliche Affinität mitbringen. Unterstützer der AfD haben jedoch wahrscheinlich ein geringeres Politikinteresse. Zudem gibt es weiterhin eine Verzerrung durch soziale Erwünschtheit – vielen Menschen fällt es schwer zuzugeben, dass sie die AfD unterstützen. Kurz gesagt, die Forsa-Ergebnisse sind sehr spannend – sie bestätigen, dass die Union mit Friedrich Merz höchstwahrscheinlich die Bundestagswahl 2025 für sich entscheiden wird. Die SPD wird am Ende des Wahlabends vor den Grünen liegen, auch wenn der Abstand geringer ausfallen wird als der zwischen Scholz und Habeck im RTL-Kandidatenduell. Alice Weidel wird sich hingegen am Sonntag nicht auf den dritten oder vierten Platz verweisen lassen.
Fazit: Blitzumfragen nach TV-Kanzlerduellen fangen ein Meinungsbild ein, sollten jedoch mit Vorsicht genossen werden. Trotzdem herzlichen Glückwunsch an Forsa, den Abend mit spannenden Zahlen unterlegt zu haben. Dies soll nicht als Kritik am Institut verstanden werden.
Robert Grimm ist promovierter Soziologe und leitet die Politik- und Sozialforschung beim Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitut Ipsos in Deutschland.