Melden euch bitte hier für kostenlosen, wöchentlichen Berlin Bubble-Newsletter an:

Measure

Demokraten und Republikaner besorgt über politische Gewalt

Die Trauerfeier für den ermordeten Konservativen Charlie Kirk war eine Mischung aus christlichen Werten und politischem Aktivismus. Es gab versöhnende Worte, aber auch Attacken auf politische Gegner. Vizepräsident J.D. Vance sprach von der „Erweckung“ statt einer Beerdigung von Charlie Kirk. Erika Kirk, die Witwe von Charlie Kirk, zeigte sich in ihrer Rede versöhnlich und vergab dem Mörder ihres Mannes, Taylor Robinson, für seine Tat. Präsident Donald Trump hingegen wählte einen anderen Ton; zwar würdigte auch er den Beitrag Kirks für den Erfolg der MAGA-Bewegung, aber in seiner politischen Rhetorik war der Präsident konfliktorientiert. Der entscheidende Unterschied zwischen ihm, Donald Trump, und Kirk sei es gewesen, dass Kirk seine Gegner nicht gehasst hat. Trump hingegen gab sich mit „I hate my opponents, and I don’t want the best for them“ wenig versönlich.

Sowohl der Mord an Charlie Kirk als auch die Worte Trumps stehen für die sich ändernde politische Kultur in den USA, die vor Gewalt nicht zurückschreckt und demokratische Institutionen unterhöhlt. Zumindest in dieser Einschätzung sind sich Demokraten und Republikaner einig. Laut einer jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos für Reuters sind 79 Prozent der US-Amerikaner der Ansicht, die Menschen seien in den vergangenen zwanzig Jahren weniger tolerant gegenüber abweichenden Meinungen geworden. Alarmierend ist für viele US-Amerikaner der zunehmend provokative Ton, mit dem Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden. So glauben 63 Prozent der Amerikaner, dass die gegenwärtige politische Rhetorik Gewalt ermutige. Die Sorge, dass auf Worte (weitere) Taten folgen, ist parteiübergreifend: 70 Prozent der Demokraten, 61 Prozent der Republikaner sehen darin eine konkrete Gefahr. Besonders politisch motivierte Gewalt bereitet den Amerikanern Angst. Zwei Drittel (66 Prozent) sind besorgt über politisch motivierte Gewalt; bei religiös motivierter Gewalt sind es 53 Prozent. Auch hier ist der Unterschied zwischen den politischen Lagern klein: Bei politischer Gewalt äußern 70 Prozent der Demokraten, 66 Prozent der Republikaner Besorgnis; bei religiöser Gewalt liegen die Werte bei 56 Prozent der Demokraten und 52 Prozent der Republikaner. Solange dieser Konsens besteht, ist die amerikanische Demokratie nicht verloren. Die Lager müssten sich darüber einigen wie sich die Debattenkultur entlang demokratischer Grundregeln normalisieren lässt. Den amerikanischen Mut zum offenen politischen Dissens können wir Europäer gerne übernehmen, die Mittel bitte nicht.

Quelle: Ipsos | Global Market Research and Public Opinion Specialist

Robert Grimm ist promovierter Soziologe und leitet die Politik- und Sozialforschung beim Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitut Ipsos in Deutschland.

Wir verwenden Cookies, um dir das bestmögliche Nutzererlebnis zu bieten. Darüber hinaus nutzen wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Website zu analysieren und zu verbessern. Deine Daten werden dabei anonymisiert verarbeitet. Du kannst der Verwendung von Google Analytics jederzeit zustimmen oder sie ablehnen. Weitere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.