Der Feind steht rechts
Die FDP blutet nach der Wahlschlappe im Februar aus. Ihre Unterstützer zeigen die geringste Parteiloyalität. Lediglich 66 % der ehemaligen FDP-Wählerinnen und Wähler würden wieder die FDP wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen wären. Die Liberalen verlieren vor allem an die Union (10 %) und an die AfD (9 %). Auch die Grünen beklagen eine große Fluktuation ihrer Wählerschaft. 77 % ihrer Wähler würden wieder bei den Grünen ihr Kreuz machen. Die größte Abwanderung geht weiterhin in Richtung Linke (8 %), aber auch die SPD profitiert (7 %). Die SPD hat sich im Vergleich zur vorherigen Erhebung etwas gefestigt. Das mag daran liegen, dass am Wahlabend die Basis auf 16 % zusammenschmolz. Die Baseline ist deshalb gering. Der bevorstehende Regierungsauftrag mag ebenfalls einen Beitrag zur Wählerloyalität leisten: 82 % der Wählerinnen und Wähler würden wieder die SPD wählen. Die Sozialdemokraten verlieren besonders Stimmen an die Linke (5 %).
Spannend wird es bei den Unionsparteien. Der Feind steht rechts; es ist das große Ziel von Friedrich Merz, Wählerstimmen von der AfD zurückzugewinnen, (um Situationen wie in Österreich zu vermeiden – so Merz auf dem Parteitag am Montag in Berlin). In diese Richtung zielt vor allem das Versprechen, die Einwanderung nach Deutschland zu regulieren, einschließlich Zurückweisungen, Rückführungen, Abschiebungen und der Abschaffung der „Turboeinbürgerung“. 81 % der Unionsunterstützer halten den Schwesterparteien die Treue. Damit hat die Wählerschaft der Union eine recht hohe Stabilität. Jedoch sind die Unionsparteien wenig erfolgreich darin, AfD-Wählerinnen und -Wähler für sich zu überzeugen. Es sind die Rechtspopulisten, die sich mit der höchsten Parteiloyalität von allen Parteien auszeichnen. 94 % der AfD-Wählerinnen und -Wähler würden wieder die AfD wählen. Der Erfolg der Partei in den letzten Wochen – die AfD konnte in Wahlprojektionen die Union als stärkste Kraft überholen – speist sich besonders aus ehemaligen Anhängern der BSW, der Union und der FDP. Für Friedrich Merz bleibt das ein langer Weg.
Quelle: Meinungsumfragen | Ipsos
Robert Grimm ist promovierter Soziologe und leitet die Politik- und Sozialforschung beim Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitut Ipsos in Deutschland.