Der Krieg ist für die Deutschen der größte Treiber der Inflation
Der Anteil der Deutschen, denen es schwerfällt, mit ihren finanziellen Möglichkeiten auszukommen, ist von 16 Prozent im April 2022 auf 24 Prozent im April 2023 gestiegen. Knapp ein Viertel der Bevölkerung ist somit davon betroffen. Bei unseren europäischen Nachbarn zeigt sich ein ähnliches Bild. In Italien und Frankreich haben jeweils 30 Prozent der Bevölkerung die Befürchtung, in finanzielle Notlage zu kommen, in Großbritannien und Polen sind es 26 Prozent und in Spanien 21 Prozent. Beinahe zwei Drittel der Deutschen (63%) sind außerdem der Ansicht, dass sich der Preisdruck in den kommenden zwölf Monaten nicht verbessern wird. Jeder Dritte ist der Meinung, dass steigende Preise mit fallenden Lebensstandards einhergehen werden. Das ist ein besorgniserregender Ausblick. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist für die Deutschen dabei der größte Inflationstreiber – 70 Prozent der Befragten sind dieser Meinung. Die Grünen stehen vor der Herausforderung, die großen strukturellen Veränderungen, die mit der Erreichung der Klimaziele einhergehen und zu hohen Kosten und Einschnitten im täglichen Leben der Bürgerinnen und Bürger führen werden, umzusetzen bzw. zu kommunizieren. Wie schwer sich die Partei damit tut, wird derzeit in den fallenden Umfragewerten deutlich. Die Sozialdemokraten hingegen müssen ihrer Tradition gerecht werden und die Gerechtigkeit bei der Transformation wahren. Das wird unweigerlich zu Spannungen in der Koalition führen. Schwächelt in der Bevölkerung die Unterstützung für die Ukraine in der nahen Zukunft, könnten die AfD und der linke Rand den Frust der Wählerinnen und Wähler abschöpfen. Der Verfassungsschutz sieht in der AfD schon jetzt einen wichtigen Akteur bei der Verbreitung russischer Propaganda in Deutschland. Sarah Wagenknecht mag in der Kriegsmüdigkeit der Deutschen ebenfalls Wählerpotential für eine neue linke Partei sehen. „Marrying Germany’s extremes is an explicit Kremlin goal“, argumentierte die Washington Post schon Ende April. Die anhaltend hohe Inflation spaltet die Gesellschaft auch politisch. Für die Europäische Zentralbank sind das alles denkbar schlechte Nachrichten im Vorfeld der anstehenden Geburtstagsfeier. Am 25. Mai wird sie 25 Jahre alt und schlittert dabei donnernd am Stabilitätsziel von zwei Prozent vorbei. (RG) Die Daten finden Sie auf www.Ipsos.com.