Deutschland auf Viertletztem Platz bei Bildungsgerechtigkeit
Bildung hat einen immensen Einfluss auf die Lebenschancen eines Menschen. Politik- und Sozialforscher wissen: Bildung ist weiterhin eine der wichtigsten Sozialstrukturvariablen, mit der Karrierechancen, Einkommensunterschiede, Lebenserwartung, Konsumverhalten, politisches Engagement und selbst das Wahlverhalten erklärt werden können. Deshalb ist es immens wichtig, dass es in einer funktionierenden Demokratie Bildungsgerechtigkeit gibt. Alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Wohnort, Religion, Geschlecht, Einkommen der Eltern, sollten die gleichen Chancen im Bildungssystem haben. Jedoch hat eine jüngst publizierte Studie des Ifo Instituts die mangelnde Bildungsgerechtigkeit in Deutschland aufgezeigt. In Deutschland werden Kinder aufgrund ihres sozialen Hintergrundes benachteiligt. Konkret heißt das unter anderem, dass Kinder, die aus einem Elternhaus mit hohem Bildungs- und/oder Einkommensniveau kommen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein Gymnasium besuchen als andere Kinder. Das hat auch zur Folge, dass es in unserer Gesellschaft an sozialer Mobilität mangelt, denn über die Benachteiligung von Kindern mit einem sozial schwachen Hintergrund reproduzieren sich bestehende Strukturen. Die Gesellschaft in Deutschland ist nicht so meritokratisch wie erhofft. Nach Berechnungen des Ifo Instituts hat ein Kind mit sozial schwachem Hintergrund nicht einmal eine halb so hohe Wahrscheinlichkeit wie ein Kind aus einer besser situierten Familie, auf ein Gymnasium zu gehen. Die Studie stellt Berlin als eines der Bundesländer mit der geringsten Bildungsungleichheit heraus. Jedoch ist Gymnasium nicht gleich Gymnasium. Selbst in den Statistiken der Berliner Gymnasien lässt sich ein Zusammenhang zwischen Adresse der Schule, Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund und Notendurschnitt der Schülerinnen und Schüler erahnen. Es hängt größtenteils vom Elternhaus ab, ob Kinder den Notendurchschnitt erreichen, um nach der Grundschule in eines der „guten“ Gymnasien der Hauptstadt zu wechseln. Somit verstärkt der „Numerus Clausus“ die soziale Selektion in der Hauptstadt. Ipsos hat das Thema Bildungsgerechtigkeit in seinem internationalen Bildungsmonitor aufgenommen. Deutschland schneidet im internationalen Vergleich schlecht ab: Lediglich 38 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind der Meinung, dass unser Bildungssystem dazu beiträgt, soziale Ungleichheiten in unserem Land zu reduzieren, 52 Prozent der Menschen stimmen dem nicht zu. Damit ist Deutschland auf Platz 25 von 29 Ländern. Für Chancengleichheit aller Kinder muss die Politik dringend Bildungsgerechtigkeit schaffen. (RG) Die Daten finden Sie hier: Global Education Monitor 2023 (ipsos.com) / Bildungschancen unterscheiden sich deutlich zwischen den Bundesländern | Pressemitteilung | ifo Institut / Statistik: Schülerzahlen | Gymnasien in Berlin (gymnasium-berlin.net)