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Die Sorgen der Deutschen – Angst vor Migration und Krieg

Die Sorge der Deutschen vor einem militärischen Konflikt hat seit Februar 2025 um 11 Prozentpunkte zugenommen. Das mag einerseits an dem erratischen Verhalten unserer transatlantischen Partner liegen, die in den letzten Wochen und Monaten viel daran getan haben, NATO-Partner zu verunsichern (Annexion von Kanada, Einmarsch in Grönland und Panama) und sich zunehmend von dem gewohnten diplomatischen Parkett verabschieden. Deutschland findet sich in einer Situation wieder, in der, mit den Worten von JD Vance, wir nicht länger „Freeloader“ sein und uns auf amerikanische Sicherheitsgarantien verlassen können. Statt amerikanischer „Bailouts“ müssen wir nun selbst die Stiefel anziehen, das Bajonett aufpflanzen und unsere Interessen selbst verteidigen.

Der Konsens unter Vertreterinnen und Vertretern von Rüstungsindustrie und Militär, dass die Russen in der Lage seien „in 15 Minuten auf dem Kurfürstendamm“ zu stehen (Udo Lindenberg 1984), war das entscheidende Argument für das von dem ausscheidenden Bundestag durchgewunkene Schuldenpaket. Dass die ungedeckelten Militärausgaben der Abschreckung dienen (soweit die Investitionen die Bundeswehr wirklich ertüchtigen) ist eine nachvollziehbare Perspektive. Jedoch ist die Ansicht, dass das Mehr (Meer) an Waffen statt zu Frieden, auch zu Krieg führen kann, eine ebenso plausible Argumentation, besonders wenn man bedenkt, dass 152 Abgeordnete des sich diese Woche konstituierten 21. Bundestags das AfD-Parteibuch tragen. Kein Wunder also, wenn die Deutschen zunehmend von Kriegssorgen geplagt werden.

Die Deutschen machen sich weiterhin große Sorgen über unkontrollierte Einwanderung. Für 41 Prozent der Deutschen ist dies eine der drei größten Sorgen. Damit liegt Deutschland an zweiter Stelle (von 29) hinter Chile (44%) und vor dem Vereinigten Königreich (32%). Die Meinungslage unterstreicht den Druck, der gegenwärtig auf Friedrich Merz lastet. Dem Kanzlerkandidaten der Union wird vorgeworfen, sein Wahlversprechen die Schuldenbremse nicht auszusetzen, gebrochen zu haben und rot-grüne Politik fortzusetzen. Die Erwartung an Merz ist nun groß, gegenüber der SPD in den Koalitionsverhandlungen Stärke zu beweisen und seinen Parteianhängern, besonders an der Basis, wenigstens das Wahlversprechen einer harten Migrationspolitik mit Zurückweisungen an den Grenzen einzulösen. Jedoch stellt sich die SPD gerade bei der Migrationsfrage quer. Aber ein „weiter so“ ist ebenfalls keine Option. Sollte es in der Migrationsfrage keine klaren Signale geben, die die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger adressieren, dann wird eine Regierung aus Union und SPD schnell ihren Vertrauensvorschuss aufgebraucht haben.

Robert Grimm ist promovierter Soziologe und leitet die Politik- und Sozialforschung beim Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitut Ipsos in Deutschland.

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