Die Zukunft Europas hängt von der deutsch-französischen Zusammenarbeit ab
Am Montag dieser Woche vor 60 Jahren wurde der Élysée-Vertrag, auch bekannt als deutsch-französischer Freundschaftsvertrag, unterzeichnet. 1963 waren die Wunden des Zweiten Weltkriegs noch frisch, viele Franzosen und Deutsche konnten sich damals auch an den Ersten Weltkrieg erinnern. Der Vertrag sollte die jahrhundertealte Rivalität beider Länder beenden. Er verpflichtet Deutschland und Frankreich zur engen Zusammenarbeit in der Außen-, Europa- und Verteidigungspolitik und ist die Grundlage des oft zitierten deutsch-französischen Motors in der EU. Zwar hat sich die geopolitische Realität seitdem verändert – das französische Kolonialreich hat sich endgültig aufgelöst, der kalte Krieg ist beendet, beide Länder sind fest in der Eurozone verankert, in der es neue komplexe Kräfteverhältnisse gibt. Trotzdem bleibt die Zusammenarbeit Deutschlands mit Frankreich weiterhin wichtig für Europa, so sehen es zumindest acht von zehn Franzosen und Deutsche (81%) laut einer repräsentativen Umfrage von Ipsos und der Heinrich-Böll-Stiftung. Energiekrise, Verteidigung und Sicherheit sowie der Klimawandel gehören zu den zentralen Herausforderungen, bei deren Lösung sich Deutsche und Franzosen eine Kooperation beider Länder wünschen. Leider sind 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und Frankreich der Meinung, dass sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern in der jüngsten Vergangenheit verschlechtert haben. Tatsächlich war das Verhältnis im Herbst 2022 auf Grund politscher Differenzen recht verstimmt. Jedoch heißt es in dem jüngsten außenpolitischen Eckpunktepapier der SPD mit dem Titel „Sozialdemokratische Antworten auf eine Welt im Umbruch“, dass die deutsch-französische Partnerschaft eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung zu einer souveränen EU zukommt. Olaf Scholz beschwor am Montag während der 60. Jubiläumsfeierlichkeiten in der Sorbonne in Paris „geschwisterliche Zuneigung“. Es ist also gut möglich, dass es sich bei dem Élysée-Vertrag wirklich um einen „Jahrhundertvertrag“ handelt. (RG) Die Daten finden sie hier: 60 ans après le traité de l’Elysée, un moteur franco-allemand toujours jugé indispensable par les citoyens des deux rives du Rhin | Ipsos