Fallende Akzeptanz für LGBTQIA* in der deutschen Bevölkerung
Es scheint eine Ewigkeit her, dass Angela Merkel 2017 den Fraktionszwang bei der Entscheidung über die Ehe für alle aufhob und Abgeordnete „nach ihrem Gewissen“ entscheiden durften. Nur wenige Tage später stimmte der Bundestag für das Gesetz für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. 226 Abgeordnete votierten gegen den Entwurf – das wäre heute, bei einer namentlichen Abstimmung, beinahe undenkbar (Es gab 393 Ja-Stimmen, 4 Enthaltungen, 7 Stimmen wurden nicht abgegeben.). Deutschland ist einen großen Schritt vorangekommen in der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare und LGBTQIA* Rechte, sollte man meinen, und doch weisen die Daten einer internationalen Ipsos Studie auf eine Rückwärtsentwicklung hin. Zwar spricht sich noch immer eine klare Mehrheit der Deutschen (62%) für die rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren aus, seit 2021 ist die Akzeptanz für die Ehe für alle und Regenbogenfamilien in Deutschland jedoch um sechs Prozentpunkte gefallen. Dass Homosexuelle bei der Adoption von Kindern die gleichen Rechte haben sollten wie heterosexuelle Paare, wird von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen, jedoch fiel die Zustimmung in den letzten 10 Jahren um vier Prozentpunkte von 71 Prozent im Jahr 2013 auf nunmehr 67 Prozent. Die Meinung, dass transgeschlechtliche Menschen in Deutschland weiterhin stark diskriminiert werden, teilen mit 47 Prozent weniger als die Hälfte der Deutschen. Im Vergleich zu den von Ipsos untersuchten 30 Ländern liegt das deutlich unter dem Durchschnitt von 67 Prozent – und das, obwohl die Koalition noch in diesem Jahr das Selbstbestimmungsgesetz verabschieden möchte. Das Gesetz soll transgeschlechtlichen Menschen ihren Geschlechtseintrag beim Standesamt vereinfachen. In Teilen der Bevölkerung stößt dies auf Verunsicherung und Widerstand. So befürworten zwar 57 Prozent der Deutschen, dass transgeschlechtliche Menschen die Nutzung von nach Geschlechtern getrennten Einrichtungen wie öffentlichen Toiletten gestattet sein sollte, wenn sie dem Geschlecht entsprechen, mit dem sie sich identifizieren, 28 Prozent stimmen dem jedoch nicht zu. Insgesamt identifiziert sich mehr als jeder zehnte Deutsche (11%) als Teil der LGBT+-Community. Drei Prozent fühlen sich zum selben Geschlecht hingezogen und vier Prozent sind laut eigener Aussage bisexuell. Jeweils ein Prozent der Bevölkerung beschreibt sich selbst als pansexuell/omnisexuell oder asexuell. Vier Prozent der Bürgerinnen und Bürger bezeichnen sich als transgender, nicht-binär, nicht geschlechtskonform oder genderfluid. (RG) Die Daten finden Sie hier: Pride Studie: Sinkende Unterstützung für LGBT+-Rechte | Ipsos