Kaum Vertrauen in Neuauflage der GroKo
Wer glaubt, dass es im Land nach der Wahl die große Aufbruchstimmung geben wird, der wird enttäuscht sein. Die Union humpelt mit 28,5 Prozent der Wählerstimmen einer Kanzlerschaft entgegen, und die Sozialdemokraten haben als einzig mehrheitsschaffender Koalitionspartner mit 16,4 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik eingefahren. Zusätzlich lassen sich viele Missstände in unserem Land auf Entscheidungen (oder eben fehlende Entscheidungen) vergangener Regierungen aus Union und SPD zurückführen. Das ist eine katastrophale Ausgangslage für eine Regierung aus Union und SPD.
Eine Neuauflage der „GroKo“ hat wohl auch deshalb nur einen geringen Vertrauensvorschuss in der Bevölkerung. Lediglich 31 Prozent der Deutschen gehen laut einer Ipsos-Umfrage davon aus, dass eine Große Koalition aus CDU, CSU und SPD den Herausforderungen der kommenden Jahre gewachsen sein wird. Fast die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger (47 %) zweifelt an ihrer Handlungsfähigkeit. Selbst unter Anhängern der (möglichen) Koalitionspartner sind die Bedenken groß: Nur knapp über die Hälfte der Unionswähler (54 %) sind vom Erfolg der GroKo überzeugt – bei den SPD-Wählern sind es sogar nur 50 Prozent. Nüchtern betrachtet vermittelt diese Koalition schon während der Sondierungsgespräche weniger „Aufbruchstimmung“ als die „Fortschrittskoalition“ von 2021/22.
Robert Grimm ist promovierter Soziologe und leitet die Politik- und Sozialforschung beim Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitut Ipsos in Deutschland.