Mehrheit wünscht sich liberale Regelung des assistierten Suizids
Das Verfassungsgericht urteilte im Februar 2020, dass „das allgemeine Persönlichkeitsrecht ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen“. Zwar ist der assistierte Suizid in Deutschland seitdem nicht mehr strafbar, aber er ist auch nicht gesetzlich geregelt und befindet sich derzeit in einer rechtlichen Grauzone. So ist es zum Beispiel bis heute kaum möglich, Medikamente zur Selbsttötung zu erhalten. Eine Regelung hierfür zu finden ist Aufgabe der Politik. Momentan gibt es im Bundestag zwei Lager: Die einen verfolgen eine restriktive Politik. Geht es nach dem Entwurf der Gruppe um den SPD-Abgeordneten Lars Castellucci „Suizidprävention stärken, selbstbestimmtes Leben ermöglichen”, so soll der assistierte Suizid nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt werden, grundsätzlich aber weiterhin strafbar bleiben. Die andere Gruppe um die FDP-Politikerin Katrin Helling-Plahr und die Grünen-Politikerin Renate Künast wünscht sich eine liberale Regelung, „die es jedem, der aus freiem Willen sein Leben beenden möchte, das Recht einräumt dabei Hilfe in Anspruch zu nehmen“. Diejenigen, die Hilfe beim assistierten Suizid leisten, sollen „respektiert“ und nicht mit Strafrecht bedroht werden. Laut einer aktuellen Ipsos-Studie befürwortet die Mehrheit der Deutschen eine liberale Gesetzgebung. Über die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger (55%) würde es begrüßen, wenn Ärzte und Sterbehilfeorganisationen dazu berechtigt wären, beim Suizid zu assistieren. Jedoch sprechen sich die meisten von diesen gegen eine finanzielle Aufwandsentschädigung für die Beihilfe aus, lediglich jeder fünfte Befragte (22%) empfindet eine finanzielle Aufwandsentschädigung als zulässig. Bei der Anhängerschaft der FDP liegt dieser Anteil jedoch bei 36 Prozent. Nur 15 Prozent der Deutschen geben an, für ein vollständiges Verbot von Suizidassistenz zu sein. Bemerkenswert ist, dass sich junge Menschen (18 – 39 Jahre) häufiger gegen assistierten Suizid aussprechen als ältere Generationen. Nach Parteiaffinität betrachtet sind es insbesondere die Unterstützer der SPD, die assistieren Suizid am ehesten vollständig ablehnen (21%). (RG) Die Daten finden Sie hier: Sterbehilfe: Mehrheit der Deutschen für Suizidassistenz durch Ärzte | Ipsos