Mentale Gesundheit eine wachsende Herausforderung
Insbesondere seit der Covid-19-Pandemie hat das Thema der psychischen Gesundheit an Bedeutung gewonnen. Verschiedene Studien seit 2021 zeigen alarmierende Entwicklungen: Menschen fühlen sich isolierter und einsamer, trotz einer Ära der umfassenden digitalen Vernetzung. Dieses Paradox betrifft sowohl ältere als auch jüngere Personen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) feststellt. Die WHO hebt hervor, dass soziale Kontakte entscheidend für unser geistiges und körperliches Wohlbefinden sind, dabei ist jedoch wohl eine Unterscheidung zwischen direktem, persönlichem Kontakt und digitalem Kontakt notwendig. Psychische Gesundheit, Stress, soziale Ängste und Burnout gewinnen auch in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Laut einer Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gehen jährlich 12 Milliarden Arbeitstage durch Depressionen und Angstzustände verloren, was weltweit etwa eine Billion US-Dollar kostet. Daten von Ipsos unterstreichen die Notwendigkeit, sich mit mentalem Wohlbefinden intensiver zu befassen. In Deutschland sind die Menschen besonders sensibilisiert: 85 Prozent der Befragten messen der psychischen Verfassung ebenso viel Wichtigkeit zu wie der physischen. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als der internationale Durchschnitt. 50 Prozent der Deutschen sehen psychische Gesundheit als die größte gesundheitliche Herausforderung der heutigen Zeit an. Auch dieser Wert liegt deutlich über dem internationalen Durchschnitt von 45 Prozent. Das deutsche Gesundheitssystem wird im Hinblick auf psychisches Wohlbefinden positiv bewertet. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist der Ansicht, dass psychische und körperliche Gesundheit im Gesundheitswesen gleichermaßen berücksichtigt werden. Das ist deutlich mehr als im internationalen Vergleich. Trotz dieser Wahrnehmung bleibt für viele Menschen in Deutschland mentale Gesundheit ein wichtiges Problemfeld: 34 Prozent der Deutschen waren in den letzten 12 Monaten mehrfach so gestresst, dass sie ihren täglichen Verpflichtungen kaum nachkommen konnten. 29 Prozent fühlten sich im gleichen Zeitraum mindestens zwei Wochen hoffnungslos und niedergeschlagen, und 26 Prozent waren in dieser Zeit zumindest einmal aufgrund psychischer Belastungen arbeitsunfähig. Diese Zahlen verdeutlichen einmal mehr, dass psychische Gesundheit schon lange kein Randthema mehr ist, sondern eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung, die entschlossenes Handeln auf individueller, politischer und wirtschaftlicher Ebene erfordert. (RG) Quellen: WHO and ILO call for new measures to tackle mental health issues at work | International Labour Organization / Ipsos World Mental Health Day Report | Ipsos