Sorge vor Arbeitslosigkeit kehrt zurück
In den kommenden Jahren droht der Verlust von über 41.000 Arbeitsplätzen allein in Deutschland, betroffen sind große Konzerne wie Bosch, ZF, Ford, BASF, VW, Continental, Schaeffler und Thyssenkrupp (siehe Tagesschauzusammenfassung vom November). Auf den ersten Blick mag diese Zahl nicht allzu hoch erscheinen, doch handelt es sich lediglich um die Spitze des Eisbergs, da die Entlassungen zahlreicher kleinerer Unternehmen kaum in den Nachrichten Beachtung finden. Die wachsenden Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt wurden letzte Woche von der Bundesagentur für Arbeit offiziell bestätigt. So lag, laut BA, die durchschnittliche Arbeitslosenzahl im Jahr 2024 bei 2.787.000, was einem Anstieg von 178.000 im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2023 entspricht. Auch die Arbeitslosenquote stieg im Jahresdurchschnitt um 0,3 Prozentpunkte auf nunmehr 6 Prozent.
Andrea Nahles, die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, begründete diese Entwicklung mit der anhaltenden Wirtschaftsflaute, die „zunehmend tiefere Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen hat.“ Dieser Trend spiegelt sich auch im Ipsos Sorgenmonitor wider. Die Sorge um den Arbeitsplatz hat unter den Deutschen in den letzten drei Jahren stetig zugenommen. Während sich im Dezember 2022 lediglich 6 Prozent der Bevölkerung Sorgen machten, waren es 2023 bereits 9 Prozent und im Dezember 2024 sogar 14 Prozent. Der Einfluss auf die kommenden Wahlen bleibt umstritten. Man könnte meinen, dass Parteien, denen eine höhere wirtschaftliche Kompetenz zugeschrieben wird, von dieser Situation profitieren würden. Doch für die Union, die diesen Anspruch für sich erhebt, hat sich die Sorge in der Bevölkerung nicht in Wählerzuspruch niedergeschlagen. Möglicherweise ist das wirtschaftspolitische Programm nicht ausreichend überzeugend, oder die Partei kann die Mitschuld an der Situation aufgrund ihrer langen Regierungszeit nicht von sich weisen. (RG)
Quellen: Überblick: Welche Konzerne gerade Tausende Stellen streichen | tagesschau.de / Jahresrückblick 2024 | Bundesagentur für Arbeit / Www.Ipsos.com
Robert Grimm ist promovierter Soziologe und leitet die Politik- und Sozialforschung beim Markt-, Meinungs- und Sozialforschungsinstitut Ipsos in Deutschland.