Tiefe Unzufriedenheit über die Krise am Wohnungsmarkt
Laut einer jüngsten Schätzung des statistischen Bundesamtes ist die Bevölkerung Deutschlands auch 2023 erneut gewachsen. Rund 84,7 Millionen Menschen lebten demnach zum Jahresende in der Bundesrepublik. Vor zehn Jahren waren es noch 80,4 Millionen Menschen. Das entspricht einem Zuwachs von über vier Millionen und ist vergleichbar mit der Bevölkerung Sachsens oder von Rheinland-Pfalz. Nettozuwanderung (Saldo aus Zuzügen und Wegzügen) ist der Treiber dieses Wachstums, denn die Bilanz aus Geburten und Sterbefällen blieb in den letzten Jahren negativ, das heißt, es sind in Deutschland mehr Menschen gestorben als geboren wurden. Währenddessen kommt die Bundesregierung mit dem Wohnungsbau nicht hinterher. Im Koalitionsvertrag versprach die Ampel-Regierung 400.000 Wohnungen pro Jahr, in Wirklichkeit wurden in den letzten drei Jahren jeweils weniger als 300.000 Wohnungen fertiggestellt. Besonders an sozialem Wohnraum mangelt es in Deutschland. Eine Studie des Verbändebündnis „Soziales Wohnen“ beziffert das Sozialwohnungsdefizit auf insgesamt 900.000 in 2022. Damit wird der Wohnungsmarkt in Deutschland mittelfristig weiterhin angespannt bleiben, worin die Verfasser der Studie auch eine Gefahr für den sozialen Frieden sehen. „Weniger Wohnungsbau bei weiter steigenden Einwohnerzahlen stellt das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland auf die Probe“ so die Autoren. Zwar erkennen die Ampelparteien an, dass Wohnen ein Grundbedürfnis ist, jedoch fehlt es trotzdem weiterhin an erkennbaren Strategien, wie die Bundesregierung diese Defizite in der Zukunft abbauen will. Im Land steigt derweil der Unmut unter den Bürgerinnen und Bürgern: lediglich 17 Prozent der Deutschen äußern sich in einer Ipsos Studie positiv über das Angebot an Wohnraum. Deutschland belegt damit den drittletzten Platz von 31 Ländern in der Umfrage über die Zufriedenheit der Einwohner mit ihrer nationalen Wohninfrastruktur. Übrigens ist Wohnungsmangel kein Deutschland-spezifisches Problem, sondern betrifft auch die anderen europäische Staaten. In den Niederlanden sind lediglich ein Fünftel der Befragten zufrieden mit dem Wohnangebot. Die SPD hat das Thema vielleicht auch deshalb prominent in ihr Europawahlkampfprogramm aufgenommen. Für mich stellt sich aber die Frage, ob eine Partei, die es im eigenen Land nicht geschafft hat, eine effektive Wohnungsbaupolitik zu entwickeln, dies auf europäischer Ebene glaubhaft versprechen kann. (RG) Quellen: Ipsos Global Infrastructure Index 2023 / Studie-Bauen-und-Wohnen-2024-in-Deutschland.pdf (bauen-und-wohnen-in-deutschland.de) / Bevölkerungsstand: Amtliche Einwohnerzahl Deutschlands 2023 – Statistisches Bundesamt (destatis.de)