Union kann Wählerpotential nicht ausbauen
So mancher sieht nach dem Wahlerfolg der AfD und dem desaströsen Ergebnis für die Ampelparteien bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen in der CDU die Retterin der Demokratie. Jedoch geht selbst die CDU, und das ist das Tragische, nicht wirklich gestärkt aus den Landtagswahlen hervor. In Sachsen wurde die CDU knapp stärkste Kraft vor der AfD und in Thüringen begnügten sich die Christdemokraten mit dem zweiten Platz hinter der Alternative für Deutschland. In beiden Bundesländern will die CDU den Ministerpräsidenten stellen und damit die Verantwortung dafür übernehmen, das Land vor dem rechten Irrweg fernzuhalten. Das ist eine ehrwürdige Aufgabe, für die die Partei gewillt ist, einen gewagten politischen Spagat einzugehen und mit ehemaligen Erzfeinden zu kooperieren. Es wäre vor einem Jahr ein weiter Wurf in der Vorstellungskraft der Bürgerinnen und Bürger gewesen, sich die CDU als Koalitionspartnerin des BSW oder in einer von der Linken (Robin Alexander nannte die Linke bei Caren Miosga kürzlich eine „zweimal umgetopfte SED“) geduldeten Minderheitsregierung vorzustellen. Bei dem verständlichen Alarmzustand über den Erfolg der Rechtspopulisten stellt sich die Frage, woher die CDU die Überzeugungskraft nehmen will, diese Herausforderung zu stemmen. Friedrich Merz äußerte zwar vor fünf Jahren die Ambition, die Wählerschaft der AfD zu halbieren, jedoch konnte die Merz-Union, anders als die AfD, nicht den steigenden Unmut der Bürgerinnen und Bürger über die amtierende Regierungskoalition in Wählerstimmen ummünzen. Das erweiterte Wählerpotential der CDU ist laut Ipsos-Zahlen in den letzten Jahren annähernd konstant geblieben (Tendenz negativ). So waren es in der Periode Mai – August 2024 um die 40 Prozent aller Wahlberechtigten (einschließlich Nichtwähler), die es sich vorstellen konnten, die CDU bzw. die Union zu wählen. Das sind 3 Prozentpunkte weniger als im gleichen Zeitraum 2022. Im Vergleich zu den letzten Landtagswahlen in Sachsen verlor die CDU 0,2 Prozentpunkte (AfD +3,2%) der Wählerstimmen, in Thüringen verzeichnete sie immerhin einen Zuwachs von 1,9 Prozentpunkten (AfD +9,4%). So sieht keine strahlende Victoria aus. Es ist zweifelhaft, ob der Weg zur Macht über Linksaußen dem Wählerpotential der Union zuträglich sein wird. Tendenziell verprellt diese Option konservative Wählerinnen und Wähler und das birgt die Gefahr, die Partei auf Bundesebene zu schwächen. Mit der Bundestagswahl 2025 in Sichtweite, sollte diese Szenario bei den Parteistrategen nicht ungeachtet bleiben. (RG) / Quelle: Ipsos.com