Union kann Wählerpotential nicht ausschöpfen
Ipsos ermittelt regelmäßig das Wählerpotenzial der Parteien im Bundestag. Die Analyse basiert auf einer 10er Skala, die die ganz generelle Wahrscheinlichkeit der Bürgerinnen und Bürger misst, eine Partei zu wählen. Alle Parteien der Regierungskoalition verlieren an erweitertem Wählerpotential seit der letzten Berechnung im April. Damit setzt sich ein seit Januar 2022 anhaltender Trend fort. Die SPD verliert weitere 3 Prozentpunkte an Wählerpotential und fällt von 38 Prozent auf 35 Prozent (Januar 2022: 49 Prozent); auch die Grünen verzeichnen Verluste. Ihr erweitertes Wählerpotential reduziert sich von 31 Prozent auf 27 Prozent zwischen April und August dieses Jahres (Januar 2022: 38 Prozent). Zwar befindet sich die AfD gegenwärtig in einem Umfragehoch (22 Prozent der Bürgerinnen und Bürger würden der AfD nach der jüngsten Ipsos Projektion ihre Stimme geben), aber die Partei konnte laut der Ipsos Analyse ihr Wählerpotential in den letzten Monaten nicht substanziell verbessern. Es liegt im August bei 25 Prozent aller Wahlberechtigten. Dies ist eine Verbesserung um einen Prozentpunkt seit April 2023 und zwei Punkten seit Januar 2022. Damit stößt die AfD, zumindest momentan, beinahe an ihre Grenzen. Anders ist die Lage der Unionsparteien. Das Wählerpotenzial der CDU/CSU ist 2023 mit 39 Prozent stabil geblieben und verzeichnet in absoluten und relativen Zahlen die geringsten Verluste seit 2022 (Januar 2022: 43 Prozent, – 4 Punkte). Dem erweiterten Potential zufolge ist die Union damit die stärkste politische Kraft in Deutschland. Jedoch können die Unionsparteien ihr Potential nicht ausschöpfen: Betrachtet man alle Wahlberechtigten, so würden nur 20 Prozent von ihnen der Union gegenwärtig auch ihre Stimme geben. Für die Union ist die Lücke zwischen Wählerpotential und projizierten Stimmen (wenn am kommenden Sonntag die Bundestagswahl stattfände) in den vergangenen Monaten beinahe konstant geblieben. (RG) Die Daten finden Sie hier: Ipsos – Politische Meinungslage 2023