Union kann Wählerpotential nicht ausschöpfen
Nachdem es in einigen europäischen Ländern zu einem Rechtsruck gekommen ist, scheinen sich die Briten vom Populismus der Brexiteers zu verabschieden. Drei von vier Briten sind der Meinung, dass sich die Lebensbedingungen auf der Insel verschlechtern, nur 28 Prozent würden die Konservativen wählen, wenn am kommenden Sonntag Parlamentswahlen wären. 63 Prozent der Briten sind mit der Arbeit des Premierministers Rishi Sunak unzufrieden. Das ist ein trauriger Höchststand seit seinem Amtsantritt. Die Regierung kommt noch schlechter weg: 75 Prozent der Briten äußern Unzufriedenheit mit ihrer Tätigkeit. Im Vergleich dazu stehen Olaf Scholz und die Ampelkoalition recht solide da. Die Liste der nicht eingehaltenen Versprechen nach 13 Jahren Tory-Regierung ist lang. Die illegale Migration über den Ärmelkanal hat in den letzten Jahren stark zugenommen. So sind bis zum letzten Wochenende 16.679 Menschen illegal in kleinen Boten von der französischen Küste nach Großbritannien eingereist, um dort Asyl zu beantragen. Am Samstag allein landeten nach Angaben des Independent 509 Personen an. Dabei war es eines der großen Brexit-Versprechen, Einwanderung zu kontrollieren. Derweil wird die Sprache in der Politik rauer, wohl auch, um sich klarer zu positionieren: “they should fuck off back to France,” äußerte sich Lee Anderson, der stellvertretende Vorsitzende der konservativen Partei kürzlich über Asylsuchende. Ob mit verbalen Auswüchsen dieser Art, die Gunst der Wähler zurückzugewonnen werden kann, mag bezweifelt werden. In Deutschland hat die Verrohung der Sprache nicht zu einer größeren Unterstützung für die Unionsparteien geführt. Übrigens wären die Ampelparteien glücklich über die Umfragewerte auf der Insel – 36 Prozent der Briten fühlen sich der Labourpartei nahe, 28 Prozent den Grünen und 23 Prozent den Liberalen. (RG) Die Daten finden Sie hier: Latest UK Opinion Polls: Government approval recent changes | Ipsos