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Von der Kohlrübensuppe zum scharfen Landjäger, der weite Weg des Boris Pistorius

Boris Pistorius ist ein Mann der starken Worte. Er hat sich das Ziel gesetzt, Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen. Die Formulierung ließ manchen Kritiker aufhorchen. Selbst Markus Söder distanzierte sich „ausdrücklich“ von der „Zielrichtung der Bundesregierung, kriegstüchtig und kriegsbereit zu sein“. Jedoch hat Pistorius einen wichtigen Punkt gesetzt: In Deutschland steht eine Zeitenwende an, und die Verteidigungsmaßnahmen unseres Landes lassen sich nicht durch Begrifflichkeiten der Prozessoptimierung und Haushaltsführung verniedlichen. Letztendlich geht es bei der Verteidigung gegen Aggressoren um militärische Abschreckung und diese impliziert nun einmal die Möglichkeit, einen Krieg erfolgreich führen zu können. Zwar wurden in der Ertüchtigung der Bundeswehr nach Aussagen des Verteidigungsministers in den vergangenen Monaten erheblich Fortschritte gemacht, jedoch muss die Zeitenwende über eine schnellere Beschaffung von Kriegsgerät hinausgehen: Es braucht Menschen, die dieses bedienen. Dienst mit der Waffe ist allerdings nicht auf der Agenda junger Menschen – einem immer kleineren Kreis von Bürgerinnen und Bürgern in unserem überalternden Land. Laut Bericht der Wehrbeauftragten Eva Högel aus dieser Woche fällt der Anteil junger Menschen, die es sich vorstellen können, in der Bundeswehr zu dienen, kontinuierlich (aktuell sind es 19% bei jungen Männern und 13% bei jungen Frauen). Auch die bestehende Truppe schrumpft schleichend, aber mit einer deutlichen Tendenz nach unten. Vielleicht müssen Maschinen oder, wie in anderen Ländern, Immigranten, den Personalmangel richten. Bezüglich der Einführung einer Wehrpflicht steht eine Richtungsentscheidung an. Außerdem stellt sich für viele leider auch die Frage, was genau es zu verteidigen gibt. „Freiheit“ ist ein sehr abstrakter Begriff., mit „Deutschland“ (oder „Europa“) identifiziert sich in Zeiten des post-Nationalismus kaum jemand. In dieser Zeitenwende läuft auch sonst nicht alles rund– das deutsch-französische Panzerprojekt kommt nur schleppend voran, in Sachen Taurus-Marschflugkörper verbleibt die Ampel ohne klare Position, derweil leisten sich hochrangige Generäle eine äußerst peinliche Abhörpanne. Eventuell entstaubt das Bundesamt für militärischen Abschirmdienst demnächst Enigma Maschinen und stellt diese der Truppe zur Verfügung. Mit dem Begriff „Kriegstüchtigkeit“ wollte Boris Pistorius der Diskussion eine „Note Chili“ geben. Um bei dem Bild zu blieben – der Minister hat einen weiten Weg zurückzulegen, um aus der gegenwärtig dünnen Kohlrübensuppe eine Truppe scharfer Landjäger zu machen. Die Bevölkerung traut ihm das durchaus zu: Boris Pistorius ist weiterhin das Kabinettsmitglied mit den höchsten Zustimmungsraten. Laut einer Ipsos Umfrage äußern sich 27 Prozent der Deutschen sehr zufrieden mit der Arbeit des Verteidigungsministers. Im Vergleich dazu sind es mit der zweitplatzierten Annalena Baerbock lediglich 16 Prozent und mit Bundeskanzler Olaf Scholz sogar nur 9 Prozent. (RG) Die Daten finden Sie hier: Zufriedenheit mit dem Bundeskabinett: Habeck, Baerbock und Heil mit Zugewinnen | Ipsos / „Meet the Minister“: Pistorius steht Rede und Antwort (bmvg.de) / Wehrbeauftragte: Bundeswehr altert und schrumpft weiter | MDR.DE

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