Melden euch bitte hier für kostenlosen, wöchentlichen Berlin Bubble-Newsletter an:

Measure

Vor Türkei-Wahl: Inflation, Armut und soziale Ungleichheit sind die größten Sorgen der Türken

Die Atmosphäre in der Türkei wird wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl zwischen Recep Tayyip Erdogan und seinem Herausforderer Kemal Kılıcdaroglu von der wirtschaftliche Schieflage des Landes bestimmt. 73 Prozent der Bürgerinnen und Bürger zeigen sich unzufrieden mit der Entwicklung ihres Landes. Steigende Preise sind laut einer Ipsos-Umfrage für mehr als die Hälfte der Türken (55%) aktuell das größte Problem im eigenen Land. Armut und sozialer Abstieg werden von der Hälfte der türkischen Bevölkerung (47%) ebenfalls als eine der drei größten Herausforderungen des Landes angesehen. Und auch die Angst vor Arbeitslosigkeit treibt viele Menschen um. Die langanhaltende und erschreckend hohe Inflation hat die Kaufkraft der Türken in den vergangenen Jahren dahinschmelzen lassen und die Unterschiede zwischen Arm und Reich nahmen in den letzten Jahren massiv zu. Viele Türken mussten ihre Ansprüche herunterschrauben – immer weniger Menschen reisen ins Ausland, immer mehr halten sich beim Kauf von Konsumgütern zurück. Auch höhere Einkommensschichten sind davon betroffen. Die anhaltenden Folgen des Erbebens und die mangelnde Unterstützung der Regierung in der betroffenen Region tragen ebenfalls zum Unmut der türkischen Bevölkerung bei. Es fehlt an Investitionen für den Wiederaufbau. Viele Menschen in der Erdbebenregion haben weder Arbeit noch Unterkunft und leben weiterhin unter schlechten Bedingungen in Übergangsbehausungen. Zunehmende Verteilungskämpfe schüren auch Vorurteile gegenüber Migranten: 28 Prozent der Türken betrachten Zuwanderung als ein großes Problem. Eine Nation, die kaum für die Bildung und Gesundheit der eigenen Bevölkerung sorgen kann und in dem die Bürgerinnen und Bürger nicht in der Lage sind, einen anständigen Lebensstandard zu halten, ist unfähig eine große Zahl von Flüchtlingen und Migranten aufzunehmen – so die Meinung vieler Türken. Erdogans islamische Politik bietet vielen weiterhin Halt und Sicherheit. Unter Recep Tayyip Erdogans Regierung wurden jedoch auch die Grundrechte der Menschen zunehmend beschnitten, das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Pressefreiheit. Insbesondere Frauenrechte wurden missachtet. Selten erlebte die türkische Opposition so viel Unterstützung aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten wie zum jetzigen Zeitpunkt. Es gibt eine breite Allianz für Veränderung, weg von Erdogans traditionell-konservativen Werten und hin zu einem liberaleren und demokratischen Gesellschaftsmodell. Viele Türken hoffen, dass Kemal Kılıcdaroglu die türkische Gesellschaft vereinen kann, dass Türken und Kurden, Muslime, Atheisten und Menschen anderer Glaubensrichtungen das Land in eine bessere Zukunft tragen, in der die Türkei wieder als verlässlicher internationaler Partner gilt. (RG) Ipsos stellt die Daten ihrer Türkei Umfrage gerne auf Anfrage zur Verfügung.

Wir verwenden Cookies, um dir das bestmögliche Nutzererlebnis zu bieten. Darüber hinaus nutzen wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Website zu analysieren und zu verbessern. Deine Daten werden dabei anonymisiert verarbeitet. Du kannst der Verwendung von Google Analytics jederzeit zustimmen oder sie ablehnen. Weitere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.