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Vorsicht, Wahrnehmungsfalle?

Viel zu häufig sprechen wir im Kontext von Vertrauensverlust und populistischen Diskursen über die Vereinfachung komplexer Lebenswelten und geopolitischer Zusammenhänge, unterschiedlichster Regierungsstrukturen (Governance) sowie der exponentiellen Zunahme von Stakeholder-Perspektiven. Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, ist: Wie können Politiker komplexe Themen in einfache und verständliche Botschaften übersetzen, die auch diejenigen erreichen, die unser tägliches Leben ermöglichen, aber nicht ausreichend Zeit (oder Interesse) haben, sich tief in die Materie einzuarbeiten? Leider unterliegen wir oft unseren Wahrnehmungen.

Ein falsches Gefühl der Dringlichkeit und des Negativismus macht uns anfällig für populistische Argumente und trübt häufig unser Urteilsvermögen. Die “Perils of Perception”-Studie von Ipsos liefert Einblicke, wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und inwiefern diese Wahrnehmung im Einklang oder im Widerspruch zu den Fakten steht. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass der Anteil der Migranten in Deutschland (Menschen, die in Deutschland leben, aber im Ausland geboren wurden) deutlich überschätzt wird. Während der tatsächliche Anteil bei etwa 15 % liegt, glauben die Deutschen, dass es fast doppelt so viele sind. Auch bei der Vermögensverteilung klaffen Einschätzung und Realität weit auseinander: Im Durchschnitt schätzen die Deutschen, dass die reichsten 1 % der Haushalte 42 % des gesamten Vermögens besitzen, obwohl dieser Anteil tatsächlich bei 26 % liegt. Derartige Fehleinschätzungen sind kein rein deutsches Phänomen, sondern treten auch in vielen anderen westlichen Ländern auf. Hans Rosling hat diese Wahrnehmungsfalle in seinem Buch “Factfulness” untersucht. Nach seiner Analyse haben die meisten Menschen ein systematisch verzerrtes, übermäßig negatives Weltbild. Rosling führt dies auf tief verwurzelte Instinkte zurück, die unsere Wahrnehmung der Realität verzerren, wie die Tendenz, die Welt in gegensätzliche Lager zu teilen (z. B. reich und arm), sowie die Überbetonung dramatischer Erzählungen, die uns positive Entwicklungen übersehen lassen. Dies macht uns besonders anfällig für politische Übertreibungen und Polarisierung. Ich wünsche mir für den kommenden Wahlkampf, dass wir in der Lage sind, diese Instinkte zu überwinden, uns objektiv über die Herausforderungen unseres Landes zu unterhalten und sachlich Lösungen zu erarbeiten.
Quellen: The Perils of Perception | Ipsos, Hans RoslingOla RoslingAnna Rosling Rönnlund Factfulness: Ten Reasons We’re Wrong About the World – and Why Things Are Better Than You Think

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