Wohlstandscrash 2022 schlimmer als während der Pandemie
Im Dezember 2022 betrachteten nur noch 47 Prozent der Deutschen ihren Wohlstand als hoch, gegenüber 54 Prozent ein Jahr zuvor. Einen drastischeren Rückgang des gefühlten Wohlstands wie in den letzten zwölf Monaten hat es in so einem Zeitraum seit Bestehen der Ipsos Wohlstandsmessung (WohlstandsIndex für Deutschland – NAWI-D) nicht gegeben. Selbst die Corona-Pandemie konnte den gefühlten Wohlstand nicht so stark dämpfen, wie es offensichtlich die Auswirkungen des Ukraine-Krieges gerade tun. Vor allem die durch den Konflikt verstärkte Inflation ist für einen beträchtlichen Anteil der Menschen im täglichen Leben spürbar und ein Ende ist für viele zurzeit nicht absehbar. Laut Süddeutscher Zeitung und Handelsblatt nimmt sich der anstehende Jahreswirtschaftsbericht des Wirtschaftsministeriums dem Thema Wohlstandserhalt an. Konkret sollen dafür Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ergriffen, Investitionsbedingungen für Unternehmen verbessert, die Energiewende beschleunigt und die Handelspolitik neu orientiert werden. Außerdem wird der Wohlstandsbegriff im Jahreswirtschaftsbericht 2023 neu definiert. Schon im Koalitionsvertrag rückten die Ampel-Partner von einer engen wachstumsgetriebenen und mit Bruttoinlandsprodukt gemessenen Wohlstandsdefinition ab. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck skizziert nun wohl in einem gesonderten Kapitel seinen neuen Ansatz zur Wohlstandsmessung mit 34 Indikatoren. Wir sind gespannt. Für die Bürgerinnen und Bürger gibt es derweil einen kleinen Lichtblick: Nach Aussagen der Süddeutschen zeichnet der Bericht für die konjunkturellen Entwicklungen 2023 kein ganz so schlechtes Bild wie ursprünglich erwartet. Auch gibt es erste Anzeichen, dass der Zenit der Inflation bereits erreicht wurde. Das sollte den Verfall des Wohlstands zumindest etwas entschleunigen. Ob das die Sorgen der Deutschen beruhigt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. (RG) Die Daten zur Ipsos Wohlstandsmessung finden Sie hier: Ukraine-Krieg: Rekordrückgang beim Wohlstand der Deutschen | Ipsos