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Zwei Drittel der Franzosen lehnen die Rentenreform ab

Seit mehreren Jahren bemüht sich die französische Regierung um eine Rentenreform, denn das Rentensystem in Frankreich befindet sich in einer finanziellen Schieflage. Eine hohe Lebenserwartung, ein niedriges Eintrittsalter und üppige Renten belasten das System. Der französische Staat muss 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Finanzierung aufwenden. Damit hat Frankreich weltweit eines der teuersten Umlageverfahren (nach Italien und Griechenland). Für Premierministerin Élisabeth Borne sind aktive Beitragszahler überlastet und das solidarische Verhältnis zwischen den Generationen im Ungleichgewicht. Die nun geplante Reform sieht vor, das Renteneintrittsalter bis 2023 von aktuell 62 Jahre schrittweise auf 64 Jahre anzuheben. Für eine abschlagsfreie Rente müssen Empfänger wenigstens 43 Jahre Beiträge in das System eingezahlt haben. Gegen diese Vorschläge wehren sich die Gewerkschaften vehement. Am Dienstag dieser Woche gingen in Frankreich mehr als 1,27 Millionen (2,8 Millionen laut Gewerkschaften) Menschen gegen die Vorhaben der Regierung auf die Straße und es gab landesweite Streiks. Nach einer aktuellen Ipsos-Umfrage lehnen beinahe zwei Drittel der Franzosen (61 Prozent) die Rentenreform ab. Deutschland hat im Vergleich mit Frankreich ein relativ hohes Renteneintrittsalter, die Regelaltersgrenze steigt schrittweise bis 2031 auf 67 Jahre. Allerdings fußt auch das deutsche Rentensystem auf wackligem Grund, denn auch hierzulande stehen immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentnerinnen und Rentnern gegenüber. Der Rentenökonom Axel Börsch-Supan plädiert deshalb schon lange auf eine Kopplung des Renteneintritts mit der steigenden Lebenserwartung. Eine Reform geht jedoch, wie es aktuell die Reaktionen in Frankreich zeigen, mit einem hohen politischen Risiko einher, dem sich keine Partei gerne stellt. Und, laut Koalitionsvertrag wird es in dieser Legislaturperiode weder Rentenkürzungen noch eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben. Die Vorschläge von Finanzminister Christian Lindner mit einer Aktienrente nach dem skandinavischen Model mögen ein Lichtblick sein, um in Deutschland eine robustere Finanzierungslage der Renten zu schaffen. Ob es dafür Akzeptanz in Politik und Bevölkerung gibt bleibt abzuwarten. (RG) Die Daten zur Umfrage in Frankreich finden Sie hier: Réforme des retraites : la majorité des Français rejette le projet et soutient les grèves | Ipsos

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