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Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Caroline Strobel gesprochen. Sie ist Projektreferentin beim NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge.

Foto: NUiF

Das „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ unterstützt Betriebe aller Größen, Branchen und Regionen, die geflüchtete Menschen beschäftigen. Warum sollten Unternehmen, die noch nicht dabei sind, dringend Mitglied werden?

Weil wir ein sehr breites Expertenwissen zum Thema Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten aufgebaut haben. Und wenn wir mal etwas nicht wissen, können wir meistens auf jemanden verweisen, der weiterhelfen kann. Unsere Mitglieder werden zu unseren kostenlosen Webinaren eingeladen und haben Zugriff auf alle unsere Publikationen. Außerdem stehen viele Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen, wenn sie sich für Geflüchtete engagieren wollen. Erfahrungen aus der Praxis und der Austausch mit Gleichgesinnten sind deshalb Gold wert. Als Unternehmensnetzwerk wollen wir dafür eine Plattform bieten und den Austausch aktiv vorantreiben. Und das Beste: Die Mitgliedschaft und all unsere Angebote sind kostenfrei!

Viele Unternehmen haben ein großes Interesse daran, Menschen aus der Ukraine zu beschäftigen. Was müssen diese Unternehmen in einem Schritt beachten und umsetzen, damit das Vorhaben ein Erfolg wird?

Geflüchtete UkrainerInnen können aktuell vorübergehenden Schutz nach §24 Aufenthaltsgesetz bei der Ausländerbehörde beantragen. Bereits mit dem vorübergehendem Ausweispapier, der sogenannten Fiktionsbescheinigung, dürfen Betroffene eine Beschäftigung ausüben. UnternehmensvertreterInnen sollten darauf achten, dass auf der Fiktionsbescheinigung der Zusatz „Erwerbstätigkeit gestattet“ steht und eine Kopie davon in der Personalakte ablegen. Die Bearbeitungszeit, bis der offizielle Aufenthaltstitel vorliegt, variiert je nach Behörde. Unternehmen können hier unterstützen, indem sie der Behörde bestätigen, dass der Person eine Beschäftigung in Aussicht gestellt wird, um den Prozess zu beschleunigen. Um beim Ankommen unter die Arme zu greifen, können Betriebe bei der Suche nach Unterkünften oder einem Sprachkurs helfen. Das Sprachkursangebot des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurde für ankommende UkrainerInnen nochmals erhöht und kann beim Deutschlernen eine Stütze sein.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das? / bitte einen konkreten Ort nennen

Berlin-Mitte hat ganz viele Ecken, um gut essen zu gehen oder einen Theaterabend schön ausklingen zu lassen. Für einen Absacker gehe ich gerne in die „Böse Buben Bar“, weil sie so schön verwinkelt und für Mitte so ganz untypisch ist. Zum Essen mag ich das „heimlichTreu“ in der Nähe des Rosenthaler Platzes. In dem versteckten Hinterhof würde man kein Restaurant vermuten und man ist umso überraschter, dass man in diesem Kleinod wirklich gut essen kann.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Katharina Beck MdB gesprochen. Sie ist Finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Finanzen. Ihr Wahlkreis ist Hamburg-Nord. Mehr zu ihr auf ihrer Website.

Das Foto ist von Christine Fiedler.

Steigende Nachhaltigkeitsanforderungen und die Anfertigung von Nachhaltigkeitsberichten; damit muss sich auch der Mittelstand auseinandersetzen. Was kann die Bundesregierung tun, um diese Unternehmen mit geeigneter Regulierung und Kommunikationsmaßnahmen mitzunehmen?

Das ist natürlich erstmal ein Aufwand und ich möchte die KMUs dabei unterstützen. Ich mache mich dafür stark, dass die Regulierung effektiv und einfach umsetzbar ist. Dann zahlt sich der Aufwand schnell aus: Die Nachhaltigkeitskennzahlen ermöglichen Mittelständlern und kleineren Unternehmen, sich und ihre Geschäftsmodelle zukunftsfähig aufzustellen. Die Politik hilft mit Standards für Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit. Aktuell wünschen sich sogar viele KMUs Teil der „Sustainable Finance“ Regulierung zu werden, um Zugang zum zukunftsträchtigen „ESG“-Kapitalmarkt und Nachhaltiger Finanzierung zu bekommen.

20.000 Euro Grunderbe für alle 18-Jährigen, die Idee erinnert an einen Vorschlag der CSU, die für jedes Kind 21.600 Euro in einen Pensionsfonds zur Altersvorsorge einzahlen wollte. Muss der Staat etwas für die Chancengleichheit junger Menschen tun? Wo ist das Geld besser angelegt?

Wir haben ein großes Ungleichheitsthema in Deutschland. Das Leben nach der Schule selbstbestimmt gestalten zu können – das können sich oft nur Menschen mit entsprechend finanziell ausgestattetem Elternhaus leisten. Darum begrüße ich die Debatte um das Grunderbe. Für die Altersvorsorge bin ich für einen „Bürgerfonds“, von dem alle automatisch profitieren, wenn sie sich nicht aktiv dagegen entscheiden.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Der Bundestag. Ich bin immer noch bewegt, dass ich dieses Land mitgestalten darf. Im Bundestag findet dieses Wirken, für das ich unendlich dankbar bin, statt. Hier habe ich in einer Sofa Ecke mit meinen Koalitionskolleg*innen im Finanzausschuss mein erstes Gesetz erfolgreich verhandelt und damit bis zu knapp eine Million Menschen im Gesundheitsbereich finanzielle Wertschätzung entgegenbringen dürfen. Die Spree und das geschichtsträchtige Brandenburger Tor um die Ecke ich muss mich manchmal noch vor Freude und Ehrfurcht die Augen reiben, dass ich jetzt hier arbeiten darf.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit der FDP-Bundestagsabgeordneten Daniela Kluckert MdB gesprochen. Sie ist Parlamentarische Staatsekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr. Ihr Wahlkreis ist Berlin-Pankow. Hier geht es zu ihrer Website.

Das Foto ist von Inga Haar.
Autoverkehr gegen Fahrradverkehr; hier scheinen die Fronten in Berlin besonders verhärtet zu sein. Hat der Bund Spielraum, diesen Konflikt mit konkreten Lösungen zumindest ein Stück weit zu entschärfen?

Um auf die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse von Bürgerinnen und Bürger zu reagieren, brauchen wir ein Zusammenspiel der unterschiedlichen Verkehrsträger. Denn diese sind individuell, wie die Menschen auch und das ist gut so. Das Ziel der Bundesregierung ist es, den Bürgerinnen und Bürgern einen attraktiven Mobilitätsmix anzubieten aus denen sie ihr Verkehrsmittel frei und flexibel wählen können. Mit zahlreichen Förderprogrammen sorgt der Bund für die Optimierung und Modernisierung von Infrastrukturen und unterstützt die Einführung smarter Lösungen. Dazu gehört auch der Ausbau von sicheren Radwegen, die Modernisierung der Schiene und von Straßen und natürlich ein starker und intelligenter ÖPNV.

Wer mit Mittelständlern spricht, landet im Laufe des Gespräches zwangsläufig beim Thema Bürokratie. Die Digitalisierung der Verwaltung könnte für Linderung sorgen. Mit welchem Projekt der Bundesregierung verbinden Sie diesbezüglich die größte Hoffnung?

Für einen modernen Staat brauchen wir eine Verwaltung, die den Bürgerinnen und Bürgern das Leben vereinfacht. Deshalb müssen wir auch hier digitaler und agiler werden. Mit der Digitalstrategie, die noch vor der Sommerpause im Kabinett beschlossen werden soll, werden wir die digitalpolitischen Kernvorhaben der Ministerien in einer Strategie vereinen. Zusätzlich sollen mit Hilfe der neuen Gigabit-Strategie alle Haushalte bis 2030 mit Glasfaser und dem neuesten Mobilfunkstandart ausgestattet werden. Denn die Basis für den Erfolg aller zukünftigen Unternehmungen ist – ob in der Mobilität, Wirtschaft, Verwaltung, auf der Arbeit oder im Alltag – eine flächendeckende Versorgung mit leistungsstarkem und zuverlässigem Internet.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Pankow und warum ist er das?

Es gibt viele schöne Orte in meinem Wahlkreis Berlin-Pankow. Wenn ich mich jedoch für einen Ort entscheiden muss, ist es das Zeiss-Planetarium. Unweit von dieser Location, war auch meine allererste Wohnung in Berlin. Diese Gegend und das Planetarium verdeutlichen den schnellen Wandel und auch die Vielseitigkeit der Hauptstadt. Ein Ort an dem Musik, Kultur und Theater mit Wissenschaft, Innovation und Technik aufeinander treffen.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten mit einem Bezug zu Berlin vor, und befragen sie zu Kommunikation und Politik im politischen Berlin. Diese Woche haben wir mit Friederike Gonzalez Schmitz gesprochen. Sie berät selbständige UnternehmerInnen, Führungskräfte aus verschiedenen Branchen sowie Verbände zu LinkedIn. Sie zeigt ihnen, welches Potenzial das Netzwerk hat. Mehr dazu findet Ihr auf ihrer Website.

LinkedIn hat sich zu dem wichtigsten Netzwerk für die Wirtschaft gemausert. Viele Verbände und ihre Mitglieder zeigen Präsenz, auch die Politik und damit politische Debatten sind immer stärker auf der Plattform sichtbar. Was müssen Verbände und politische Organisation bei ihrem LinkedIn-Auftritt unbedingt beachten?

Als Erstes würde ich mich auf die Erstellung einer professionellen Basis, also der Verbands- bzw. Unternehmensseite mit Banner und Logo im Corporate Design des Verbandes konzentrieren und alle Formularbereiche der Seite ausfüllen. Seiten, die vollständig sind, werden häufiger gefunden und besucht, was man braucht, damit die Followerzahl steigt. Der Info-Text sollte ausführlich und gut verständlich geschrieben sein, so dass man schnell erkennt, welche Themen auf der Verbandsseite besprochen werden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Text die wichtigsten Schlagwörter enthält, über welche die Verbandsseite gefunden werden soll. Da Mitglieder sich mit der Seite verknüpfen können, sollten deren Profile auch professionell und aussagekräftig sein. Ein nur halb ausgefülltes Profil wirkt nicht seriös, auch Profile ohne Foto sind zu vermeiden. Die geposteten Beiträge sollten möglichst immer über professionell geschultes Kommunikationspersonal laufen und seien Sie auf Kritik in Kommentaren gefasst. Eine klare Richtlinie, wie mit Hass und Wut umgegangen wird, ist bei politischen Verbänden eine Grundvoraussetzung. Da Seiten vor allem dann erfolgreich sind, wenn Mitarbeiter sich an der Kommunikation beteiligen, empfehle ich, dass sie die Social-Media-Guidelines des Verbandes kennen und unbedingt danach handeln. Diejenigen, die sich an der Kommunikation beteiligen, sind mit den Eigenschaften der Plattform LinkedIn zu 100% gut vertraut, um Fehler und Misskommunikation zu vermeiden.

Wie bei jedem sozialen Netzwerk geht es auch bei LinkedIn erst einmal um Personen. Was muss ich auf jeden Fall machen, um mit meinem persönlichen Account auf der Plattform sichtbar zu sein?

Richtig, die persönlichen Profile spielen auf LinkedIn eine besonders wichtige Rolle. Geschäfte werden mit Menschen gemacht. Daher folgen die meisten Nutzer auch lieber einem persönlichen Profi als einer Unternehmens- oder Verbandsseite. Das persönliche Profil ist das Aushängeschild der Person – die digitale Visitenkarte und sollte alle wichtigen Informationen über die berufliche Expertise, Ausbildung, Themen und Visionen enthalten. Man sollte es nicht nur als digitalen Lebenslauf ansehen, sondern vor allem als Plattform, welche zum Austausch anregen soll. Daher dürfen auch gerne ein paar persönliche Themen auf LinkedIn eingefügt werden, so lange man sich damit wohl fühlt. Themen, die derzeit auf LinkedIn besonders gerne und viel diskutiert werden, sind: #Digitalisierung, #newwork #femaleempowerment. Sichtbarkeit erlangen Sie, wenn sie die folgenden Bereiche ausgefüllt haben: Info-Text, Berufserfahrung, Ausbildung und Kenntnisse. Auch ganz wichtig: ein professionelles, aktuelles Profilfoto. Nach der Profiloptimierung kommt die nächste Aufgabe: Sie sollten kontinuierlich Ihr Netzwerk ausbauen und sich mit Kommentaren oder eigenen Beiträgen auf LinkedIn einbringen. Setzen Sie diese drei Aktionen um, werden Sie die gewünschte Sichtbarkeit bzw. Reichweite erlangen.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Ich bin ein Kind des Ostens, daher kenne ich den Ostteil aus meiner Kindheit relativ gut. 2018 war ich das letzte Mal als Touristin mit meiner Familie in Berlin und wir haben eine Fahrt auf der Spree gemacht und uns so einen guten Überblick über die Stadt, die schönen Sehenswürdigkeiten, Regierungsgebäude etc. verschafft. Die würde ich sofort wieder machen, danach auf die Museumsinsel gehen und über die Allee „Unter den Linden“ Richtung Brandenburger Tor schlendern. Ich mag den Mix aus alten und neuen Gebäuden.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Christoph Moosbauer gesprochen. Er ist Partner und Head of Public Affairs der Agentur MSL Germany.

Die Auswirkungen von Corona, der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende Inflation sowie die Bekämpfung des Klimawandels; deutsche Unternehmen sind aktuell mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Wie sollten die Politikabteilungen der Unternehmen daraufhin ihre Kommunikation mit den politischen Entscheidern anpassen?

Politik muss wieder strategischer und in langen Zeitlinien denken. Die politische Kommunikation von Unternehmen muss sich diesen Anforderungen anpassen. Das Abarbeiten an kleinteiliger Regulation wird es in der Form, wie es oft unter den Großen Koalitionen stattfand, nicht mehr geben. Unternehmenskommunikation muss eingebettet werden in größere politische Wirkungszusammenhänge und strategische Interessen der Bundesrepublik. Wir Kommunikatoren müssen zeigen, dass auch wir die Herausforderungen der Zeit verstanden haben.

Karrierechancen Agentur – warum sollte jemand, der in der Politik, in einem Verband oder Unternehmen angestellt ist, im nächsten Schritt für eine Agentur, wie MSL arbeiten?

In einer Agentur ist es ein bedeutsamer Vorteil, wenn man bereits Erfahrungen aus anderen Kommunikationsbereichen mitbringt. Bei MSL arbeiten wir sehr kundenfokussiert, demnach ist uns die Unternehmenssicht sehr wichtig. Unser Ansprechpartner ist die Politik, daher ist die Kenntnis politischer Abläufe und Prozesse der Entscheidungsfindung ebenso wichtig wie Einblicke in die Psychologie der Entscheider. Hier bereits Erfahrungen zu haben, kann ein großer persönlicher Mehrwert sein, wenn man in einer Agentur einsteigt.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Das ist das kleine Rondell mit der sogenannten Löwengruppe, gleich wenn man von der Ebertstraße gegenüber des Brandenburger Tors in den Tiergarten geht. Auf einer der Parkbänke dort ist man sofort aus der Hektik des Mitte-Alltags herausgenommen. Für mich als Bayer und 60er-Fan hat der Löwe natürlich auch noch eine besondere Bedeutung. Ein kleines Stück Heimat in Mitte.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Roland Panter gesprochen. Er ist Pressesprecher des NABU (Naturschutzbund Deutschland).


Foto sevens+maltry

Die Agrarminister der G7-Staaten haben sich in Stuttgart getroffen. Ist es ihnen gelungen, sich auf geeignete Maßnahmen gegen die sich anbahnende Welthungerkrise zu verständigen?  

Neben der drohenden Hungerkrise sind derzeit mehrere Krisen parallel zu bewältigen: Klimakrise, Naturkrise und auch die Energiekrise. Daraus entsteht ein hoher Wettbewerb um Flächen für die Produktion von Lebensmitteln, Futtermitteln, Energie, natürlichen Klimaschutz und den Schutz der biologischen Vielfalt. Ich nehme wahr, dass diese Komplexität der Fragestellung bei den G7-Agrarministern angekommen ist. Dort besteht jedoch weiterhin Zurückhaltung vor notwendigen, leider unbequemen Entscheidungen.

Die Bundesministerien für Landwirtschaft, Umwelt und Klima sind jetzt bei den Grünen. Was hat sich damit für die politische Arbeit des NABU geändert? 

An der Zusammenarbeit mit den Ministerien hat sich für uns im Grunde nichts verändert. Wir erleben einen Wunsch beim Klimaschutz endlich etwas zu bewegen – da muss jetzt geliefert werden, und zwar ohne dass der Naturschutz vergessen wird. Zugleich bemerken wir, dass ressortübergreifenden Themen zwischen den grün geführten Ministerien besser abgestimmt werden als in der Vergangenheit, bspw. zwischen Agrar und Wirtschaft. Das ist sehr positiv.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das? 

Ich mag Sommerabende am Monbijoupark – mit Musik, bunten  Leuten und Blick auf Museumsinsel und Wasser. Dort lässt sich hervorragend in entspannter Atmosphäre austauschen. Leider besteht durch Homeoffice und Reiserei viel zu selten die Gelegenheit dazu, das wirklich auszukosten.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Sebastian Lazay gesprochen. Er ist Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister e.V. (BAP) sowie Gesellschafter und Geschäftsführer der Extra Team GmbH.

Erst die Corona-Pandemie, jetzt der Ukraine-Krieg: Die deutsche Wirtschaft gerät von einer unerwarteten enormen Herausforderung in die nächste. Wie ist gerade vor diesem Hintergrund die aktuelle Lage der Zeitarbeitsbranche?

Bei der Beschäftigtenentwicklung in unserer Branche gibt es grundsätzlich eine positive Tendenz. Laut aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren im Februar 718.000 Personen bei Zeitarbeitsunternehmen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das bedeutet eine Zunahme von 8,5 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Auch die Anzahl der Jobaufnahmen von Arbeitslosen in der Zeitarbeit hat sich im Februar erhöht. Klar ist jedoch auch: Der Effekt des Ukraine-Krieges wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Erste Vorboten sind aber bereits sichtbar. So zeigen die Indikatoren des ifo Instituts im April eine deutlich gedämpfte Einschätzung der Geschäftslage und -aussichten bei den Personaldienstleistern.

Stichwort Herausforderung: eine eben solche stellt auch der sich immer weiter zuspitzende Fachkräftemangel dar. Wie können Personaldienstleister konkret helfen?

Der Fachkräftemangel ist eines der zentralen Themen, das den Arbeitsmarkt in Deutschland in den kommenden Jahren prägt. Daher wird sich auch der diesjährige Arbeitgebertag Zeitarbeit des BAP am 1.6. intensiv damit befassen.  Wichtig ist die Anhebung des inländischen Arbeitskräftepotenzials durch zielgerichtete Qualifizierung. Immer mehr Zeitarbeitsunternehmen starten deshalb Qualifizierungsoffensiven, um dem Arbeitsmarkt noch mehr qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stellen zu können. Aber: Wir werden den Fachkräftebedarf ohne gezielte Zuwanderung, auch und gerade von außerhalb der EU, nicht ansatzweise abdecken können. Daher muss das unsägliche ‘Stoppschild’, das es der Zeitarbeit als einziger Branche in Deutschland gesetzlich untersagt, Fachkräfte aus Drittstaaten zu rekrutieren und einzusetzen, endlich beseitigt werden.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte? Und warum ist er das?

Rund um den Bahnhof Friedrichstraße habe ich unzählige berufliche und private Erinnerungen. Ich kenne die Situation dort auch noch aus der Zeit vor der Wiedervereinigung. Die ganze Gegend hat für mich eine sehr persönliche Bedeutung. Konkret gehört hier übrigens auch das Restaurant Ganymed am Schiffbauer Damm, gleich vor dem Berliner Ensemble, dazu. Dort bin ich immer wieder gerne zu Gast und freue mich beim Blick auf die Spree darüber, dass die Zeit der grimmigen Grenzbeamten am früheren Grenzübergang Friedrichstraße längst Geschichte ist.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben sowie Politik und Kommunikation in der berlinbubble. Diese Woche haben wir mit Manuela Stamm gesprochen. Sie ist professionelle Moderatorin. Mehr Infos findet ihr auf ihrer Website.

Ist eine gelungene Moderation wirklich ein Buch mit sieben Siegeln?

Das sicherlich nicht, doch es braucht Moderationsgrundlagen, Erfahrung und ein Fingerspitzengefühl. Wie gut die Moderation wird, beginnt meiner Erfahrung nach, mit der Vorbereitung. Da ist Sorgfalt gefragt. Das Ziel der Veranstaltung, die Interessen der Zuschauenden und die Kernbotschaft sind entscheidende Fragen.  Klingt banal, ist es aber nicht. Die inhaltliche Einarbeitung und die Abstimmung des Settings, also wer ist wann und wie auf der Bühne, sind ebenfalls wichtig. Das ist in Zeiten von gestreamten Events mit Kameraeinsatz noch entscheidender geworden.

Was ist Dein Erfolgsgeheimnis?

Es gibt nicht das eine Erfolgsgeheimnis. Als Moderatorin weiß ich, was zu tun ist, das sind die Basics. Die unterschiedlichen Themen finde ich spannend. Da vertiefe ich mich gerne in die jeweiligen Hintergrundinformationen. Wenn ich höre, „Die Diskussion haben Sie moderiert, als wären Sie vom Fach.“, dann freut mich das natürlich und zeigt, dass die Vorbereitung funktioniert. Empathie ist ebenfalls wichtig. Wenn DiskutantenInnen sagen, „Ich habe mich sehr wohl gefühlt“, auch wenn ein Thema vielleicht schwierig ist, dann freut mich das schon. Das Schlüsselwort ist für mich Authentizität.

Make or buy; beziehungsweise selbst moderieren oder einen Profi ranlassen?

Das hängt stark von dem Event ab und der Entscheidung, wie professionell dies wahrgenommen werden soll. Da ist dann jemand, der das nicht eben nebenbei macht, sondern ganz konzentriert die Veranstaltung begleitet. Außerdem darf und muss ich als professionelle Moderatorin neutral agieren, auf Ausgewogenheit achten und, wenn nötig, Grenzen setzen. Den Chef oder die Chefin im Redefluss auch einmal einzufangen, ist für interne Mitarbeitende nicht leicht durchzuführen. Organisieren, moderieren und die Gäste betreuen, dass kann dann doch viel werden.

Wann ist es unerlässlich für einen Event eine professionelle Moderation einzukaufen?

Auf jeden Fall bei Online- und Hybrid-Formaten. Diese Formate sind wunderbar geeinget, auch für Diskussionsrunden, Fachtagungen und sogar Preisverleihungen. Hier kommt es auf Disziplin, Struktur und Klarheit an, und dies möglichst mit Leichtigkeit. Die Kamera, der Chatverlauf, die Zeitvorgaben und die Wortmeldungen, all das gilt es auf Distanz im Blick zu behalten. Außerdem bei allen Veranstaltungen, die neutral begleitet und professionell wahrgenommen werden sollen. Nicht zu vergessen, dass der/die Moderatorin mit der eigenen Persönlichkeit das gewisse Etwas in die Veranstaltung bringt und für geschmeidige Übergänge sorgt und spontane Überraschungen managt.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Ganz klar, der Monbijoupark. An der Spree sitzen, den Blick auf die Museumsinsel gerichtet und ein Erfrischungsgetränk in der Hand, das ist einfach wunderbar. Eine Oase, die für mich gleichermaßen lebendig und erholsam ist. Ich bin gerne dort.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Bastian Roet gesprochen. Er ist Generalsekretär und Leiter der Hauptstadtrepräsentanz der Vereinigung Cockpit e.V.. „Die Vereinigung Cockpit ist der Berufsverband der deutschen Verkehrspiloten. Sie vertritt die berufs- und tarifpolitischen Interessen von 10.000 Mitgliedern.“

Foto: Frank Nürnberger

Zuletzt Corona und jetzt der Ukraine-Krieg; das setzt die deutsche Luftfahrt unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Was muss die Bundesregierung jetzt tun, um die Branche im internationalen Wettbewerb zu stärken?

Aktuell geht es leider darum, politisch erzeugte Nachteile zu verhindern und den Schaden für unsere Branche nicht noch größer werden zu lassen. Das Fit-For-55 Paket der Kommission wird zum Beispiel über die geplanten Beimischungsquoten von CO2 neutralem synthetischem Kerosin die Preise in Europa nach oben treiben. Gerade aus der Golf-Region wird es dann verstärkt zu sogenannten „Tankering“ kommen. Das heißt Airlines bringen einen großen Teil des Treibstoffs für den Rückflug mit, um die hohen Preise in Europa zu umgehen. Das steigert die Verbräuche und Co2 Emission. Hier muss die Bundesregierung eingreifen, um die Wettbewerbsneutralität gegenüber den Airlines aus dem Golf und Asien zu sichern. Ansonsten werden die Passagiere auf Nicht-EU-Airlines ausweichen. Das schadet dem Klima und kostet Arbeitsplätze.

Welche Auswirkungen haben die Krisen der letzten Jahre auf den deutschen Arbeitsmarkt für Pilotinnen und Piloten? Wie geht es in Zukunft weiter?

Viele Pilotinnen und Piloten haben in Deutschland und Europa ihre Jobs verloren. Sie fliegen jetzt im Ausland oder haben sich umorientiert. Die nun wieder anziehende Nachfrage wird die Airlines im Sommer wahrscheinlich in eine Situation von Personalmangel bringen. Auch wenn die Faszination für die Fliegerei für viele junge Menschen weiter besteht, wirkt sich die Unsicherheit im Arbeitsmarkt aus. Daher werden wohl auch im Luftverkehr in die Situation eines Fachkräftemangel kommen. So hat die Lufthansa Tochter Swiss schon angefangen Flüge im Sommer zu streichen.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Jetzt im Frühling ist das ganz klar der Zollpackhof an der Spree. Unter der Kastanie lässt sich in der Abendsonne hervorragend nicht nur über die Politik diskutieren.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Ina Froehner gesprochen. Sie ist Head of Communications bei der Scalable Capital.

Foto von Boris Breuer

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zeigt, wir leben in unsicheren Zeiten. Was können junge Menschen tun, um sich trotzdem eine sichere Altersvorsorge aufzubauen? Und wie könnte der Staat sie dabei besser unterstützen?

Zeiten mit hoher Volatilität sind besonders für neue Anlegende eine Herausforderung. Mittelfristig führt aber kein Weg daran vorbei, am Kapitalmarkt zu investieren, um Vermögen aufzubauen und fürs Alter vorzusorgen. Der Großteil unserer Kund:innen verfolgt einen längerfristigen Anlagehorizont, bei dem sie auch in den vergangenen Wochen geblieben sind. Das zeigt sich vor allem daran, dass der Großteil in breit diversifizierte ETFs investiert. ETFs eignen sich besonders, um kostengünstig und diversifiziert anzulegen. Vor allem in dieser Krisenzeit trauen sich viele Menschen nicht, größere Summen zu investieren. Sodass gebührenfreie Sparpläne mit regelmäßigen Beträgen beispielsweise eher infrage kommen.

Für junge Menschen lohnt sich Investieren überhaupt nur zu sehr niedrigen Gebühren. Der Staat sollte die neue Investitionskultur und das gestiegene Interesse junger Anlegenden fördern, etwa mit finanziellen Anreizen wie höherer Freibeträge für Kapitalerträge oder einer umfassenden Finanzbildung an Schulen oder in Familien. Beides hätte enormes Potential, die Teilhabe von Junganlegenden am Kapitalmarkt zu steigern.

Die Europäische Kommission möchte Rückvergütungen für die Weitergabe von Kundenorder an Börsen, sogenannte „Payment for Order Flow“ (PFOF), verbieten. Warum ist das keine gute Idee und würde am Ende zu Lasten der Verbraucher gehen?

Für junge Anlegende spielen vor allem der Preis und die Leistung, wie etwa eine gute User Experience oder ein einfacher Zugang über Mobile, eine große Rolle. Es ist positiv, dass in den vergangenen Jahren immer mehr – vor allem junge Menschen den Kapitalmarkt für sich zum Vermögensaufbau entdeckt haben – preis- und leistungsstarke Angebote haben das mit unter möglich gemacht. Diese Entwicklung sollte unterstützt und nicht durch Regulierung im Keim erstickt werden. Denn ein Verbot von PFOF hätte zur Folge, dass die Gebühren wieder steigen. Diese wäre ein falsches Signal, schließlich sind Menschen vermehrt darauf angewiesen, eigenständig vorzusorgen. Das geht in Zeiten von Inflation und Niedrigzins ohne den Kapitalmarkt nicht.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte, und warum ist er das?

Ich liebes mit der M1 vom Prenzlauer Berg nach Mitte zu fahren. Die Strecke führt an vielen Orten vorbei, mit denen ich aus den letzten 20 Jahren in Berlin viel Positives verbinde. Ich freue mich immer wieder darüber Neues zu entdecken oder an Orten, die es schon immer gab, vorbeizufahren.