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Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Wirtschaft und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Silke Krüger gesprochen. Sie ist Geschäftsführende Direktorin von KÖTTER Cleaning.

Den richtigen Dienstleister für die Büroreinigung zu finden, ist insbesondere für kleinere Wirtschaftsverbände und Politik-Agenturen eine große Herausforderung. Welche Infos müssen unbedingt in die Anfrage rein und wie unterscheide ich einen guten von einem weniger guten Anbieter?

Neben den Fakten zur Immobilie interessieren uns vor allem die Wünsche des Kunden. Gemeinsam mit dem Auftraggeber erstellen wir dann ein individuelles Konzept und berücksichtigen dabei je nach Bedarf, welche und wie viele Fachkräfte sowie welche möglichst nachhaltigen Reinigungsmethoden, -mittel und -maschinen zum Einsatz kommen. Gute Anbieter erkennt man zunächst einmal am beratenden Ansatz – geht es nur um den Preis, ist Vorsicht geboten. Und: Reinigung ist ein Handwerk! Die Qualifikation und Motivation des Teams ist entscheidend. Auftraggeber sollten u. a. nach Zertifikaten und einem Qualitätsmanagementsystem fragen.

Daytime Cleaning ermöglicht es Reinigungskräften tagsüber und nicht zur Schlafenszeit zu arbeiten. Was spricht sonst noch für Daytime Cleaning?

Daytime Cleaning ermöglicht eine bessere Einbindung in die Abläufe des Auftraggebers: Es können flexible, individuell abgestimmte Services vereinbart werden. Der Austausch zwischen Auftraggeber und Dienstleister wird intensiver, persönlicher und schneller: Spontane Einsätze sind möglich, kleinere Reklamationen können direkt behoben werden – die Kundenzufriedenheit steigt und die Reinigungskräfte erhalten positives Feedback. Wichtiger Aspekt, speziell beim aktuellen, allseits geschärften Hygienebewusstsein: Die Dienstleistung wird sichtbarer und steigert das Wohlbefinden. Sowohl die Mitarbeiter*innen des Kunden wie auch die Reinigungskräfte fühlen sich stärker wertgeschätzt.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Da ich in Berlin-Mitte aufgewachsen bin und viele Orte zu meinen Favoriten gehören, ist diese Frage nicht ganz einfach zu beantworten. Aber mein absoluter Lieblingsort, mit dem ich auch viele Kindheitserinnerungen verbinde, ist der Gendarmenmarkt. Dieser Ort ist für mich die perfekte Kombination aus Kulturerlebnis und guter Gastronomie. Und einfach ein schöner Platz zum Entspannen.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Kathrin Zabel gesprochen. Sie leitet als Partnerin den Berliner Standort der international tätigen Strategie- und Kommunikationsberatung Boldt.

Du baust gerade den neuen Berliner-Standort für die Agentur Boldt auf. Was könnt Ihr – oder besser – was kannst Du besonders gut?
BOLDT ist ein kleines Speedboot mit einem europäischen Netzwerk. Unsere weiteren Standorte befinden sich in Brüssel, Oslo, London, Zürich und Düsseldorf. Wir arbeiten standortübergreifend zusammen und reagieren somit flexibel auf die Kundenbedürfnisse. Bei uns stehen die Partner während der gesamten Projektphase direkt im Kontakt mit den Kunden. Meine persönliche Stärke liegt im Gesetzgebungslobbying. Also darin, Kundeninteressen im Gesetzgebungsprozess einzubringen. Hierbei nehme ich auch ggf. im Namen des Kunden direkt Termine wahr. Themensicherheit und ein kurzer Draht zum Kunden sind dafür essenziell.

In Krisenzeiten ist der Beratungsbedarf der Wirtschaft besonders groß. Was sollten Unternehmen und Branchen jetzt beachten, wenn sie die Bundesregierung um Unterstützung zur Bewältigung der Energiekrise bitten?

Die Betroffenheit hängt stark von der jeweiligen Branche ab. Wer um seine Existenz fürchten muss, braucht natürlich sehr schnelle Hilfe. In jedem Fall halte ich es für wichtig, offen und ehrlich zu sein. Die Unternehmen sollten möglichst Lösungsansätze anzubieten, die auch die Position der anderen Seite im Blick haben. In diesem Punkt sehe ich auch die Stärke einer guten Beratung – unabhängig von der gegenwärtigen Krise.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Die Friedrichsbrücke, die die Museumsinsel mit der Burgstraße verbindet, mag ich sehr. Zum einen bin ich jemand, der immer gern am Wasser ist. Dort kann man kurz durchatmen und ausspannen, obwohl die Brücke direkt im Herzen der Stadt gelegen ist.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus dem politischen Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Helmut Metzner gesprochen. Er ist Geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

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Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld verfolgt das Ziel „einer gesellschaftlichen Diskriminierung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen (Abkürzung: LSBTIQ*) in Deutschland entgegenzuwirken.“ Was sind die effektivsten Maßnahmen der Stiftung?

Unser “Archiv der anderen Erinnerungen” sammelt lebensgeschichtliche Interviews mit queeren Menschen. Diese Erinnerungsarbeit vermittelt auch kommenden Generationen den Wert einer offenen Gesellschaft in Vielfalt. In der Pandemie konnten wir die sozialen Auswirkungen für LSBTIQ* verdeutlichen und für deren besondere Bedarfe sensibisieren. Die Bundesstiftung hat die Politik beim Verbot von Konversionsbehandlungen beraten und engagiert sich mit dem Projekt „Fußball für Vielfalt“ gegen Homofeindlichkeit im Sport.

Im Sommer sind die Eckpunkte zum Selbstbestimmungsgesetz vorgelegt worden. Warum ist es wichtig, die Gesetzesinitiative jetzt auf den Weg zu bringen?

Das in Teilen für verfassungswidrig erklärte, sogenannte „Transsexuellengesetz“ von 1980 zwang Menschen vor Änderung ihres Geschlechtseintrags u. a. zu riskanten medizinischen Eingriffen, zur Unfruchtbarmachung und zur Scheidung. Noch heute in Kraft ist der Zwang zu übergriffigen Begutachtungen. Nur die einzelne Person selbst soll darüber bestimmen können, welche geschlechtliche Identität sie hat. Das Selbstbestimmungsgesetz stärkt die Rechte des Individuums und den Schutz der Menschenwürde, wozu uns die Verfassung verpflichtet.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Das Magnus-Hirschfeld-Ufer gegenüber dem Kanzleramt ist ein guter Platz für einen Sonntagsspaziergang. Von dort fällt der Blick auf den Ort, an dem das im Nationalsozialismus geplünderte und zerstörte Institut des “Einstein des Sex” und Vorkämpfers der queeren Emanzipationsbewegung, Dr. Magnus Hirschfeld, stand. An Hirschfelds Motto “durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit” knüpft unsere Arbeit an: Wir forschen und erinnern an Ursachen und Auswirkungen von Diskriminierung und wirken neuem Unrecht durch Aufklärungsarbeit entgegen.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus dem politischen Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Dirk Heidenblut MdB gesprochen. Er ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Gesundheit und zuständiger Berichterstatter der SPD-Fraktion für die Cannabis-Legalisierung. Außerdem ist er am 21. November Gast beim Berliner Pub Talk zur Cannabis-Legalisierung. Hier könnt Ihr euch zu der Veranstaltung anmelden.

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Die Eckpunkte der Bundesregierung zur Cannabis-Legalisierung liegen jetzt vor. Ein Kritikpunkt an der Legalisierung sind die mit dem Konsum einhergehenden Gesundheitsrisiken für junge Erwachsene. Wie können diese eingedämmt werden?

Mit dem Eckpunktepapier sind der Startschuss und die Arbeitsgrundlage für weitere Diskussionen geschaffen. Jugendschutz und Präventionsangebote für (junge) Erwachsene sind uns dabei als SPD-Fraktion ein zentrales Anliegen. So wollen wir Gesundheitsrisiken für junge Erwachsene durch ausgiebig niedrigschwellige und flächendeckende Information-, Beratungs- und Präventionsangebote eindämmen. Darüber hinaus soll auch ein generelles Werbeverbot dazu beitragen.

Wichtige Ziele der Cannabis-Legalisierung sind die Entkriminalisierung des Konsums und die Reduzierung der Drogenkriminalität. Ist das im Rahmen der Eckpunkte möglich oder gibt es Verbesserungsbedarf?

Das zentrale Ziel ist und bleibt natürlich der Gesundheitsschutz. Und mit den in den Eckpunkten vorgelegten Aspekten gehen wir da in die richtige Richtung. Die Entkriminalisierung ist ein wesentlicher Baustein, der klar erreicht wird. Damit wird auch die Drogenkriminalität insgesamt zurück gehen. Um das Ziel einer wirksamen Bekämpfung des Schwarzmarktes zu erreichen, ist allerdings sicherlich noch Nachbesserungsbedarf bei zu restriktiven Vorgaben vorhanden.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Gendarmenmarkt, weil es ein schöner Platz mit imposanter Architektur (Französischer Dom und Deutscher Dom sowie Konzerthaus) inmitten von Berlin ist und zudem zur Weihnachtszeit einen tollen Weihnachtsmarkt hat.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus dem politischen Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Kordula Schulz-Asche MdB gesprochen. Sie ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Gesundheit und Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der grünen Bundestagsfraktion.

KordulaSchulz-Asche MdB, Buendnis 90/Die Gruenen Bundestagsfraktion

Wie kann es gelingen, die Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung langfristig zu sichern und dabei nicht den gesellschaftlichen Rückhalt zu verlieren?

Um die gesetzliche Pflegeversicherung zu stabilisieren, bedarf es dringend einer umfassenden Finanzreform. Im Koalitionsvertrag haben wir wichtige Schritte festgelegt, wie beispielsweise die moderate Anhebung des Beitragssatzes. Außerdem möchten wir prüfen, ob die Pflegeversicherung um eine freiwillige und paritätisch finanzierte Vollversicherung ergänzt werden kann. Für eine nachhaltige Verbesserung der Finanzierung ist es jedoch aus unserer Sicht als Grüne notwendig insgesamt die Einnahmesituation zu verbessern und die Belastungen für alle in der Gesellschaft zu verteilen. Dies kann etwa auch durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze geschehen.

Viele Menschen tun sich schwer damit, sich rechtzeitig auf eine mögliche eigene Pflegebedürftigkeit vorzubereiten. Was kann die Bundesregierung tun, um in der Bevölkerung das Bewusstsein für das Thema zu schärfen?

Unsere Aufgabe als Bundesregierung ist es, auf allen Ebenen eine stärkere Verantwortung und Fürsorge füreinander zu fördern. Die Kommunen spielen dabei eine Schlüsselrolle, um Menschen aller Altersstufen ein lebenswertes und gesundes Umfeld zu bieten.  Wir wollen dabei insbesondere quartiersorientierte Projekte fördern. Dabei denke ich besonders an Wohngemeinschaften anstelle von großen Heimen sowie Mehrgenerationenhäuser. Ein vielversprechendes Konzept hierfür bietet das WHO-Netzwerk “Age-friendly Cities and Communities”. Eine Zivilgesellschaft, die generationsübergreifend lebt, entwickelt mehr Verständnis füreinander und im Idealfall auch für die eigene Altersentwicklung.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Mein Büro Unter den Linden, weil ich dort mit meinen Mitarbeiter:innen diskutieren und plaudern, aber auch in Ruhe arbeiten kann.

Wenn Ihr mit Frau Schulz-Asche diskutieren möchtet, schaut doch mal in die Kategorie Attend.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus dem politischen Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Franziska Kersten MdB gesprochen. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft und Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Der Krieg in der Ukraine stellt die Landwirtschaft – trotz steigender Preise in einigen Sparten – vor große Herausforderungen. Was bedeutet das mittelfristig für die gemeinsame europäische Agrarpolitik?

Für unsere sichere Versorgung mit Lebensmitteln zählt in ganz besonderem Maße, was gerade auch für jede Industriebranche gilt: Wir dürfen uns nicht abhängig machen! Der Selbstversorgungsgrad in Europa muss hoch bleiben. Das heißt, wir müssen regionale, nachhaltige Wertschöpfungsketten fördern. Das Ziel muss eine Kreislaufwirtschaft auch auf dem Acker sein! Forderungen, wegen der geringeren Weizen- und Maisexporte aus der Ukraine jetzt Biodiversitätsziele hintenan zu stellen, verlieren dabei das Gesamtziel aus dem Auge!

Dein Wahlkreis ist ländlich geprägt. Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Wie bekommst Du es in der Landwirtschaftspolitik hin, einerseits das große Ganze im Blick zu behalten und auf der anderen Seite die Situation der landwirtschaftlichen Betriebe in deinem Wahlkreis zu berücksichtigen?

Ich stehe in engem Kontakt mit den Landwirtinnen und Landwirten aus meinem Wahlkreis, bin mit vielen auch befreundet. Natürlich ist die Magdeburger Börde eine herausragende Region für den Ackerbau, doch gerade sie ist vom Klimawandel und der damit verbundenen Trockenheit besonders betroffen. Da geht es dann für den einzelnen Landwirt um Ertragssicherung, aber im großen Ganzen um Anpassung an den Klimawandel, den gezielteren Umgang mit Wasser und den Schutz von Biodiversität – alles Themen, die ich dann in Berlin einbringen kann.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Ich bin gerne am Wasser. Mein Lieblingsort in Berlin-Mitte ist deshalb das Spreeufer im Regierungsviertel. Mein Büro liegt in einem etwas weiter entfernten Teil des Bundestags, man muss deswegen häufig zu anderen Gebäuden laufen. Auf dem Weg zu Terminen ist der kurze Spaziergang an der Spree immer eine kleine Ruhepause. Dann kann man gestärkt in die Debatten und Verhandlungen gehen!

Einladung

Wenn Ihr persönlich mit Dr. Franziska Kersten MdB über Landwirtschaftspolitik diskutieren möchtet, gibt es am 10. November, von 8:00 Uhr bis 8:45 Uhr, bei einem Hintergrund-Frühstück in Mitte die Gelegenheit dazu. Interesse? Dann schreibt eine formlose Mail an bannas@bdwi-online.de .

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus dem politischen Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Reiner Holznagel gesprochen. Er ist Präsident vom Bund der Steuerzahler Deutschland (BdSt).

Seit 50 Jahren gibt es das Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler; warum gelingt es den politischen Entscheidern immer noch nicht, die Verschwendung von Steuergeldern zu begrenzen?

Wo Menschen Entscheidungen treffen, passieren auch Fehler. Mit dem Schwarzbuch arbeiten wir daran, dass nicht immer dieselben Fehler gemacht werden. Neben der Auflistung von 100 Fällen zeigen wir auch die systematischen Probleme auf, die zu Steuergeldverschwendung führen. Hier machen wir konkrete Verbesserungsvorschläge. Derzeit befindet sich der Bund in einer kritischen Haushaltssituation. Auch im Sinne einer Vorbildfunktion muss die öffentliche Hand sorgsam und sparsam sein. Wir schauen der Politik auf die Finger, um dies jeden Tag einzufordern.

Der Bund der Steuerzahler hat rund 200.000 Mitglieder. Warum ist das Interesse an dem Verband so groß? Was ist der Mehrwert einer Mitgliedschaft?

In einem Punkt unterscheiden wir uns von allen anderen Verbänden: Wir sind die Einzigen, die zur Politik gehen und weniger wollen. Weniger Schulden, weniger Subventionen, weniger Verschwendung. Für uns sind solide Staatsfinanzen das A und O. Außerdem sind wir unabhängig: Wir finanzieren uns durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Neben dem ideellen Faktor bieten wir auch ganz praktische Vorteile: Wir stehen unseren Mitgliedern z. B. mit Steuertipps zur Seite, führen Musterprozesse, bieten Seminare an, usw.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte?

Schon als Kind war ich total vom Fernsehturm begeistert. Wenn wir es nach langem Schlangestehen endlich nach oben geschafft hatten, standen alle auf der Seite westlich, um West-Berlin zu erblicken. Später haben wir einen Junggesellenabschied auf dem Fernsehturm gefeiert und gemeinsam mit den anderen Gästen über Berlin gesungen. Wenn ich heute dorthin komme, erinnere ich mich gerne daran und genieße den Ausblick.

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus dem politischen Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Joachim Kirschstein gesprochen. Er ist Geschäftsführer der Initiative „Diskutier mit Mir“, die mit ihrer gleichnamigen App das Ziel verfolgt, „digitale Brücken für mehr Demokratie-Engagement und Debattenfähigkeit zu schlagen.“

Die Idee hinter „Diskutier mit mir“ ist es Menschen mit konträren Positionen einen geschützten Raum für einen persönlichen Chat – eins zu eins – anzubieten. Warum ist das gerade jetzt so wichtig?

Das war 2017 die initiale Idee, die in einer Social Media Realität von Hasskampagnen und zunehmender Polarisierung für uns weiter Bedeutung hat. Heute geht es bei Diskutier Mit Mir in erster Linie um neue Partizipationsformate für jene Bevölkerungsgruppen, deren Perspektiven und Meinungen in den öffentlichen Debatten zu kurz kommen. Dafür sind wir mit dem hybriden Veranstaltungsformat FORUM X on Tour, mit dem wir uns vorrangig an Auszubildende und Handwerker*innen in ganz Deutschland wenden.

Das „Diskutier Mit Mir“ Angebot ist bereits im Jahr 2017 entstanden. Wo geht die Reise für euch hin? Was möchtet Ihr in den nächsten Jahren machen und erreichen?

Ab Frühjahr 2023 gehen wir auf Klimatour. Unter dem Leitmotiv “planet e – es kommt auf uns an“ werden wir aufzeigen, wie sich jede*r einzelne für sich und im Bündnis mit anderen in den Aufbau einer klimaneutralen Gesellschaft einbringen kann. In der Planung sind 75 Stationen in kommunalen Sozialräumen und hunderte von digitalen Beratungsoptionen, mit denen wir ein Programm der Selbstermächtigung aufzeigen. Denn nur wenn wir ALLE mitnehmen und Spaltungstendenzen rechtzeitig und motivierend entgegenwirken, kann die Transformation gelingen.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Ich habe gleich zwei davon: Zum einen meine Wohnung in der Wallstraße und die offene soziale Mischung des Stadtraums, der sie umgibt. Zum anderen das Dach des Humboldt Forums, mit seinen weiten Perspektiven. Auch das Forum selbst ist ein deutlich gelungener Ort, als es die vielstimmige Kritik vermuten lässt. Man muss ihn nur annehmen.

Peter-Alberto Behrens ist Experte und Berater für Lateinamerika. Er unterstützt „seit mehr als 30 Jahren sehr unterschiedliche Akteure darin, sich im politischen Geflecht Deutschlands und Lateinamerikas zu behaupten.

Brasilien hat gewählt. Was bedeutet das Wahlergebnis für deutsche Unternehmen, die sich in dem Land betätigen?

Mehr Ungewissheit: Einerseits, weil die Wahl ja noch in eine 2. Runde geht, da keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erhalten hat. Andererseits, weil beide Kandidaten im entscheidenden Wahlgang am 30. Oktober gemäßigter auftreten werden müssen, um das Wählerpotential in der Mitte für sich zu gewinnen. Somit ändern sich ihre jeweiligen Positionen und die Konstellation möglicher Kooperationspartner. Dieser erste Wahlgang beweist aber auch: Brasiliens Demokratie ist deutlich resilienter als ihr zugemutet wird. Dies zumindest ist eine Konstante für eine der größten Demokratien der Welt, auf die sich deutsche Unternehmen weiterhin verlassen können – seit nunmehr fast 40 Jahren.

Was kann die deutsche Bundesregierung jetzt tun, um das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen auf die Erfolgsspur zu bringen? 

Kurzfristig kann sie verstärkt bei denjenigen Ländern in der EU für ein „JA“ werben, die sich der Ratifizierung des Abkommens bislang verweigern (z.B. Irland, Österreich oder die Niederlande). Mittel- und langfristig gehört eine Lateinamerika-Strategie dazu, die nicht nur die seit Jahrhunderten existierenden Gemeinsamkeiten hervorhebt, sondern auch gesellschaftliche Gruppen in Deutschland zu einer zukunftsorientierten Debatte aktiviert, wie gemeinsame Werte in einem gemeinsamen politisch-wirtschaftlich-kulturellen Raum mit Lateinamerika artikuliert werden können. Dazu ist das EU-Mercosur Freihandelsabkommen ein wichtiger erster Schritt.

Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Da gibt es viele! Aber ich würde mal ganz „unoriginell“ das Brandenburger Tor nennen: wie viele andere ähnliche Bauten in Europa (z.B. Arc de Triomphe, Puerta de Alcalá) steht es für die wechselvolle Geschichte des eigenen Landes. Und es erinnert uns immer wieder daran, dass die heutige Zeit – die glücklichste und beste Zeit unseres Landes – nicht vom Himmel gefallen ist, sondern dass sehr viele Menschen ihr Leben für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit geopfert haben. Gerade in diesen Zeiten, eine notwendige Vergewisserung!

Wöchentlich stellen wir Persönlichkeiten aus dem politischen Berlin vor, befragen sie über das Stadtleben, Kommunikation und die Politik in Berlin. Diese Woche haben wir mit Nico Lange gesprochen. Er ist Senior Fellow bei der Zeitenwende-Initiative der Münchener Sicherheitskonferenz.

„Keine Alleingänge“, so lautet immer wieder die Ansage aus dem Bundeskanzleramt, wenn es um Waffenlieferungen für die Ukraine geht. Warum tun sich die europäischen Partner so schwer damit, eine gemeinsame Initiative – wie zum Beispiel ein Leopard-2-Konsortium – auf den Weg zu bringen? 

„Keine Alleingänge“ und „immer gemeinsam mit Partnern“ sollte nicht nur heißen, dass man wartet, bis alle anderen etwas gemacht haben und dann ein bisschen mitmacht. Deutschland muss führen. Die Bildung eines europäischen Konsortiums, dessen Mitglieder jeweils einige Leopard 2 Kampfpanzer an die Ukraine liefern, wäre mit deutscher Führung möglich. Außerdem könnten Deutschland und die Europäer damit einmal wirklich auf Augenhöhe mit den Amerikanern agieren, statt immer nur davon zu reden.

Das britische Verteidigungsministerium informiert – zum Beispiel auf Twitter – sehr detailliert über den Krieg in der Ukraine. Das beugt der Verbreitung von Falschinformationen vor und schafft Vertrauen. Was kann die Bundesregierung daraus lernen? 

Die Briten machen insgesamt seit Beginn des Krieges einen guten Job. Ich selbst berichte auch regelmäßig ganz nüchtern über die militärische Lage, auf der Grundlage von Quellen direkt in der Ukraine. Dafür, dass die Bundesministerien in Berlin alle sehr große Kommunikationsstäbe haben, leisten sie aus meiner Sicht bei sachlichen Informationen und vertrauenswürdigen Fakten noch zu wenig. In den USA brieft das Weiße Haus regelmäßig und häufig Think Tanker, Partner und Journalisten im Hintergrund, Amerikaner und Briten senden einen ständigen Strom aktueller und faktenreicher Informationen. Davon könnte die Bundesregierung manches lernen, denn das baut mehr Vertrauen auf als manche bemühte PR oder Zitatkachel from Hell.

Was ist Dein Lieblingsort in Berlin-Mitte und warum ist er das?

Mein Lieblingsort in Berlin ist meine Laufstrecke im Grunewald: Am Teufelsberg vorbei runter zum Teufelssee, weiter durch den Forst Grunewald zum Barssee und Pechsee und zurück zum Postfenn. Zu jeder Jahreszeit herrlich.