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„Extreme Rechte / Le Pens Strategie der Normalisierung in Frankreich“: Niklas Mönch hat für den Deutschlandfunk eine hörenswerte Reportage zum Rassemblement National produziert. Im Gegensatz zur AfD hat die Partei mit Jordan Bardella einen jungen und charismatischen Kopf, der nicht nur bei jungen Menschen gut ankommt. Die Partei hat sich zwar von der AfD losgesagt. Sie wird aber auch von den Sicherheitsbehörden beobachtet. Der RN vertritt immer noch rechtsextreme Positionen und pflegt zweifelhafte Beziehungen zu Russland. Und trotzdem wird er von immer breiteren Teilen der französichen Gesellschaft akzeptiert. Das unterstreichen die aktuellen Wahlergebnisse. Eine mögliche Erklärung dafür ist der in Frankreich stärkere Islamismus, das kommt in der Reportage zu kurz. (MB)

„Friedrich Merz – Woran (ver)zweifeln Sie?“: Schon ziemlich mustergültig, wie Friedrich Merz und sein Medienteam am Narrativ Kanzlertauglichkeit schrauben. Ein Baustein dabei ist, in passenden Formaten Merz als Mensch zu präsentieren. Das klappt in dieser Folge des Hotel Matze Podcasts ziemlich gut. Er spricht offen über sich, über persönliche Fehler und Krisen, ohne dabei an Wettkampfhärte einzubüßen. Nicht zu unterschätzen ist, dass er als reflektierter Familienmensch rüberkommt und seine Führungsqualitäten mit Beispielen belegen kann. Ob sich das Bild wirklich mit dem Miteinander in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und im Konrad-Adenauer-Haus deckt? Das muss jemand anders beantworten. Ihr findet die Folge zum Beispiel bei podigee. (MB)

„Berlin Playbook – Der Podcast“: Etwas mehr als eine Woche ist jetzt Gordon Repinski mit seinem neuen Morgen-Podcast online. Mir gefällt es. Die Auswahl des Schwerpunkthemas funktioniert. Das 200-Sekunden-Interview zwingt die Gesprächspartner dazu, schnell zur Sache zu kommen. Gut finde ich auch die kurzen Gespräche mit Teammitgliedern und Korrespondenten aus der Politico-Welt. Ich bin gespannt, wie es läuft; wenn es mal etwas spezifischer wird; von der Antriebs- bis zur Wärmewende. Was mich an dem Podcast nervt, ist der ellenlange Einstieg (bis zu 2 Minuten) inklusive Eigenwerbungsblock. Das wünsche ich mir deutlich kompakter. Ihr findet den Podcast auf der Website von Politico und bei allen bekannten Bezugsquellen. (MB)

„Wie rechts(extrem) wird Europa? EVP-Chef Weber vor der Wahl“: Simon Strauß spricht in dieser Folge des FAZ-Podcasts für Deutschland mit Manfred Weber über die Fraktionen im Europäischen Parlament. Wenn die EVP eine Zusammenarbeit mit der EKR-Fraktion (Meloni, PIS, usw.) nicht kategorisch ausschließt, hat sie erst einmal mehr Machtoptionen. Das gilt aber nur wenn Linke, Liberale und Grüne keine glaubhafte Drohkulisse aufbauen können, um die EVP zu einer Entweder/Oder-Entscheidung zu zwingen. Weber schlägt sich in dem Interview gut und tappt in keine der aufgestellten Fallen. (MB)

Nicolas Schmit: „Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie die Verlierer sind.“: Peter Kapern hat den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten für die Europawahl interviewt. Ihr erfahrt, wie der luxemburgischen Sozialdemokrat Schmit zum Rechtspopulismus steht, welche Machtkonstellationen für die neue Kommission möglich ist und wie er über Migration, Verteidigung und den Green Deal denkt. Die letzten, harten, Themen kommen leider viel zu kurz. Hier hätte ich mir von Kapern ein konsequentes Nachhaken gewünscht. Immerhin wird deutlich, dass es auch im nächsten Europäischen Parlament viele inhaltliche Übereinstimmungen von Grünen, Liberalen, Christ- und Sozialdemokraten geben wird. Ihr könnt das Interview beim DLF anhören (MB)

„Wie spricht man richtig mit der AfD? Mit Sandra Maischberger“: Im aktuellen Podcast von Paul Ronzheimer mit Sandra Maischberger geht es natürlich auch um die AfD. Besonders gut hat mir aber das Fachsimpeln im ersten Teil zu Interviews zu dem Umgang mit Talk-Gästen gefallen. Wie bringe ich Gäste zum Sprechen? Wie wird nachgehakt und warum ist das wichtig? Und vieles mehr. Ihr findet den Podcast überall, wo es diese gibt und auch direkt bei BILD. (MB)

„Wie viel Taylor Swift verträgt die deutsche Politik?“: In diesem Stimmenfang-Podcast vom Spiegel beleuchtet Marius Mestermann das Phänomen Taylor Swift. Wer nicht Fan ist, tut sich schwer damit, den politischen Einfluss von Stars einzuschätzen. Dabei reicht ein Blick auf Social-Media-Reichweiten. Nur wenigen Spitzenpolitikern gelingt es, selbst zweitklassige Fußballspieler zu übertreffen. Aber klappt das bei Stars auch mit politischen Call to Actions? Taylor Swift ist es anscheinend gelungen, 60.000 Menschen dazu zu bewegen, sich für eine Wahl zu registrieren. Warum sie ein besonders wirkmächtiger Star ist, erfahrt ihr in den Interviews im Podcast mit Anja Schäublin, Kim Staudt und dem Kulturwissenschaftler Jörn Glasenapp. Ihr könnt den Podcast auf der Website vom Spiegel anhören. (MB)

Gerechtigkeit & Loseblatt: Neben dem Einspruch-Podcast der FAZ gibt es jetzt einen weiteren hörenswerten Jura-Podcast von Pia Lorenz und Hendrik Wieduwilt. Bei Gerechtigkeit & Loseblatt werden zwei oder drei aktuelle Jura-Themen vorgestellt und diskutiert. Dabei kommen auch externe Experten zu Wort. Sehr gut gefallen hat mir die Auswahl der der zweiten Folge, in der es um den Bericht der Abtreibungskommission und um das Urteil des Bundesverfassungsgerichts für Julian Reichelt geht. Beide Fälle wurden sehr stark in der Öffentlichkeit diskutiert; in der Regel aber sehr oberflächlich. Im – vom Verlag C.H.BECK initiierten – Podcast hört Ihr die fehlenden Details. (MB)

„Table TodaySPEZIAL Richard Grenell – Das ganze Interview“: Ein schöner Coup von Michael Bröcker; ein Gespräch mit dem ehemaligen amerikanischen Botschafter in Berlin zur außenpolitischen Denke von Donald Trump und seinem Umfeld. Auch wenn Ihr das Wahlkampfgeplänkel abzieht, wird deutlich, dass sich an der Dealmaker-#mitdemKopfdurchdieWand-Strategie nichts ändern wird. Interessant fand ich Ratschlag an die FDP, sich stärker auf liberale Grundsätze rückzubesinnen und vor Ausflügen ins Libertäre nicht zurückzuschrecken, um so zurück auf die Erfogsschiene zu finden; wörtlich: „Mind your own business and let people deal with their own life.“ Ihr könnt den Podcast bei table.briefings anhören. (MB)

Antilopen Gang – „Oktober in Europa“: Die Rapper von der Antilopen Gang haben den 7. Oktober und den damit einhergehenden Antisemitismus in Teilen der linken Szene in einem Song aufgearbeitet. Das ist musikalisch gut und im Text auf den Punkt. Der Song ist bemerkenswert, weil die Band dort selbst zu Hause ist und damit ihrem eigenen Umfeld den Spiegel vorhält. Ihr könnt den Song u.a. auf YouTube hören. (MB)