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„Bonn – Alte Freunde, neue Feinde“: Es ist eigentlich schön, wenn Politik und Geschichte in Serienformaten aufgegriffen werden, die erkennbar für ein großes Publikum im Auftrag von öffentlich-rechtlichen Medien produziert werden. Die in der ARD-Mediathek laufende Serie Bonn ist mir ein Stück zu viel Räuberpistole. Es ist richtig, zahlreiche Nazis haben nach dem zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland Karriere gemacht. Die Justiz hat viele Kriegsverbrecher nicht angemessen abgeurteilt. Aber einen Putschversuch hat es nicht gegeben. Ich bin ein Freund künstlerischer Freiheit. Aber sollten sich Geschichten mit einer politischen Botschaft nicht enger an der Wahrheit orientieren? (MB)

Klima Ahoi – eine Reportage zur Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Wie die Schifffahrt klimafreundlicher vonstattengehen kann, dazu präsentiert Jakob Groth in seiner aktuellen ZDF-Reportage einige Beispiele. Neue Antriebsformen, der Umstieg auf Elektroantriebe und LNG oder die gute alte Segelschifffahrt; es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Noch skaliert das nicht. Aber vielleicht finden diese Vorbilder Nachahmung und Verbreitung. Eigentlich bin ich für konstruktiven Journalismus zu zynisch, Bilder vom Meer und den Schiffen machen diese Reportage sehenswert. (MB)

„Ob bei den Grünen oder der CDU: Junge Frauen mischen die Politik auf“: Für die funk Reihe ultraviolett stories hat Priscilla Schaetz die jungen Politikerinnen Lilli Fischer (Stadträtin der CDU in Erfurt) und Merle Spellerberg (Abgeordnete für Bündnis´90/Die Grünen im Bundestag) bei der Arbeit begleitet. Die Auswahl der Protagonistinnen ist gelungen, weil beide zeigen, wie sie in ihrem jeweiligen Umfeld erfolgreich Politik machen. Insbesondere bei Fischer wird deutlich, dass sich karrieretechnisch schnell Chancen ergeben, wenn man sich in einer Partei engagiert, in der man in der Minderheit ist. … und sie hat zugegriffen. Kleines Learning für ältere Menschen im Umgang mit jungen Politikern. Wer diesen mangelnde Kompetenz auf Grund des Alters unterstellt, hat bereits verloren. Hier könnt Ihr die Doku anschauen. (MB)

Die Gesetzlosen: Die Kommentarvideos von Julian Reichelt auf seinem YouTube-Kanal sind im immer gleichen Flow abgedreht, etwas wirklich Neues hat er auch nicht zu erzählen. Eine ganz andere Qualität hat seine Doku „Die Gesetzlosen“. Er zeigt mit drastischen Bildern, aber im nüchternen Kommentarstil das, worüber in anderen Medien zu den Silvesterrandalen erst einmal nur gefiltert berichtet worden ist. Die Doku ist lupenreiner, einseitiger Thesenjournalismus. Sie ist eine Herausforderung für andere Medien. Ich bin gespannt, wie diese damit umgehen. (MB)

„The Martha Mitchell Effect“: Martha Mitchell war die Ehefrau des Nixon-Beraters John Mitchell, der in den Watergate-Skandal verstrickt war. In dieser knapp 50-minütigen Doku, die Ihr auf Netflix anschauen könnt, wird ihre Geschichte anhand von Original-Footage erzählt. Ihr seht schicke 70er-Jahre-Bilder und eine Frau mit Glamour, Humor und Selbstbewusstsein. Gleichzeitig war ihr Schicksal tragisch. Ihr Mann hat eine aktive Rolle dabei gespielt, sie als psychisch instabil und alkoholabhängig zu brandmarken, um ihre Aussagen zu Watergate unglaubwürdig zu machen. Wenn Ihr erfahren wollt, was der Martha Mitchell Effekt ist, müsst Ihr die Doku anschauen. (MB)

Die Jagd nach Grünem Wasserstoff“: Heidi Mühlenberg hat in dieser ARD-Reportage einige Unternehmen der deutschen Wasserstoff-Szene interviewt; zum Beispiel Sunfire aus Dresden. Sie zeichnet ein optimistisches Bild der Branche. Anhand zweier Auslandsprojekte, bei denen in großem Maßstab grüner Wasserstoff für Deutschland produziert werden soll, wird erzählt, dass auch in Zukunft industrielle Produktion in Deutschland zu erträglichen Energiekosten möglich sein könnte. Schwerpunkt der Reportage ist die Umwelt- und Sozialverträglichkeit der beiden Projekte in Namibia und Saudi-Arabien. Eigentlich könnte Mühlenberg gleich einen zweiten Teil der Doku drehen, um die Frage nach der Wettbewerbsstärke europäischer / deutscher Industriestandorte bei der Nutzung von Wasserstoff zu beantworten; auch vor dem Hintergrund des Inflation Reduction Acts. (MB)

Paul Ronzheimer interviewt Saad Sherida al-Kaab, den Energieminister von Qatar: Wie blicken die Regierungen von Ländern auf uns, die unsere Position zu Menschenrechten nicht teilen und von denen wir wirtschaftlich abhängig sind? In diesem Videointerview von Paul Ronzheimer wird das Nebeneinander von Wirtschaft und Politik in einer vernetzten Welt auf den Punkt gebracht. Eine interessengeleitete Außenpolitik erhält dann doch den Vorzug, wenn es drauf ankommt. Neu für mich war, dass al-Kaab die Verbeugung von Minister Habeck, die in den deutschen Medien für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, ganz anders erklärt. Unabhängig von dem, was er sagt, spricht sein Auftritt für sich. (MB)

ZDF Magazin Royale vom 25. November 2022: Über die letzte Böhmermann-Sendung ist eigentlich schon alles geschrieben, nur eben noch nicht von jedem. Wer dann wirklich reinschaut, wird enttäuscht sein. Außer der – wie immer – packenden Musik; nichts Neues. Eine quälend langweilige Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten um eine offensichtliche Botschaft / Geschichte zu untermauern. Bei dem Aufreger, dem Fahndungsplakat, stellt sich die Frage, wie weit Clickbait gehen darf. Wie schon vielfach richtig aufgeschrieben, wirkt dieses Plakat auch außerhalb des Kontextes der Sendung. … und eben nicht im Guten. (MB)

Die öffentliche Meinung: Auf dem YouTube-Kanal von Capital Beat TV gibt es aber jetzt monatlich aktuelle Umfragen vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos. In der Auftaktfolge geht es in 15 Minuten um die Sonntagsfrage, die Willkommenskultur in Deutschland für Fachkräfte aus dem außereuropäischen Ausland, die Cannabis-Legalisierung und den what worries the world Index. Mir gefällt gut, dass die Zahlen im Interview- Format präsentiert werden. Die Grafiken sind passgenau eingebunden. Die Protagonisten sind die Journalistin Leslie Nachmann und Dr. Robert Grimm (Leiter Ipsos Public Affairs). Robert schreibt auch die wöchentliche Measure-Kategorie in diesem Newsletter. (MB)

Parlament: Die zweite Staffel der Serie Parlament ist jetzt in der ARD-Mediathek abrufbar. Protagonist ist ein Büroleiter im Europäischen Parlament. Die Serie ist leichter Stoff mit Comedy- und Slapstick-Elementen. Es geht um Alltägliches, ganz nebenbei wird erzählt, wie der Parlamentsbetrieb funktioniert oder zumindest funktionieren könnte. Sehr lustig ist der Umgang mit Vorurteilen; zum Beispiel über die intriganten Deutschen. Gut gefällt mir die Leichtigkeit mit der ernste Themen wie der Klimaschutz oder der Umgang mit Diskriminierung eingebaut wird. Es ist übrigens eine deutsch-belgisch-französische Gemeinschaftsproduktion. (MB)