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„Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution“: Wie weit darf Protest gehen? Welche Grenzüberschreitung – welcher Gesetzesverstoß – ist noch legitim? Dieser Film von Philippa Lowthorpe mit unter anderen Keira Knightley knöpft sich das Thema Aktivismus vor dem Hintergrund von Störungen und Protesten bei der Wahl zur Miss World im Jahr 1970 vor. Der Film ist schön ausgestattet und schlüssig erzählt. Ihr könnt ihn in der ARD-Mediathek anschauen. (MB)

„EU-Wahl 2024: Alles, was ihr wissen müsst“: Mirko Drotschmann erklärt als MrWissen2go in einem zwölf-minütigen Video auf YouTube, wie die Europawahl funktioniert. Wer im politischen Berlin unterwegs ist, wird nicht so viel Neues erfahren. Lustig und interessant fand ich, dass das passive Wahlrecht in Griechenland und Italien erst ab dem 25. Lebensjahr greift. Der Gewinn bei dem Video ist, dass man es gut an alle weiterleiten kann, die Fragen zur EU-Wahl haben. Ein Aspekt, der oft als Kritik an der Repräsentativität des EU-Parlaments vorgebracht wird, greift Drotschmann nicht auf. Die Zahl der entsandten Abgeordneten orientiert sich nicht an der Einwohnerzahl der Mitgliedsländer. (MB)

“Screams Before Silence”: Die 60-minütige Doku von Sheryl Sandberg stellt die systematischen Morde, Verstümmelungen und Vergewaltigungen von Frauen durch Hamas-Terroristen und Palästinenser am 7. Oktober dar. Sandberg spricht mit Zeuginnen, Zeugen und Betroffenen. Die Doku berührt. Sandberg funktioniert in der Rolle als sensible Gesprächspartnerin. Gleichzeitig lenkt sie durch ihre Prominenz Aufmerksamkeit auf das Thema. Die Doku ist ein politisches Statement zu dem weitverbreiteten Antisemitismus – insbesondere an amerikanischen Universitäten. Macht euch vor dem Anschauen bewusst, wo womöglich eure persönlichen Grenzen sind. Ihr findet die Doku auf YouTube. (MB)

Mensch Merz! Der Herausforderer: Die Merz-Doku von Steffen Haug und Maik Gizinski zeigt den vermutlich nächsten Kanzlerkandidaten der Union im politischen und privaten Kontext. Die O-Töne von politischen Freunden und Gegnern machen deutlich, wie Merz von Teilen der Bevölkerung gesehen wird. Auch wenn seine – in Umfragen herausgearbeitete – Unbeliebtheit zur Sprache kommt, zeichnet die Doku ein wohlwollendes Bild: bodenständig, Familienmensch, intelligent, humorvoll, konservativ, ausdrucksstark, weltgewandt. Das ist mein Eindruck. Aber schaut doch selber auf der Website vom ZDF. (MB)

„Das antisoziale Netzwerk: Memes, Verschwörungstheorien und Gewalt“: Giorgio Angelini und Arthur Jones nutzen die Geschichte des Internetforums „4chan“, um zu zeigen, wie digitale Kommunikation Aktivismus auf der Straße anreizt oder sogar initiiert. Einige der in der Doku gezeigten Beispiele (Scientology, Occupy Wall Street) haben mehr als 10 Jahr auf dem Buckel. Mit dem letztgezeigten Beispiel – dem Sturm auf das Capitol – eint sie das Zusammenspiel von Inhalten und Botschaften mit wirksamen Visualisierungen. Entscheidend ist aber die Community, die sich vorab gebildet hat. In der digitalen politischen Kommunikation stellt sich oft die Frage, wie Menschen zum Handeln bewegt werden können. In dieser Netflix-Doku gibt es zwar keine konkrete Antwort. Es gibt aber wertvolle Hinweise und Erklärungen. (MB)

“Alle reden übers Wetter”: Diesen 2022 erschienenen Spielfilm von Annika Pinske könnt Ihr in der ARD-Mediathek anschauen. Er arbeitet sich an dem Zusammenspiel von Ost- und Westdeutschen ab. Indem eine Fahrt der Protagonistin nach Hause einen großen Teil der Handlung ausmacht, greift der Film das Lebensgefühl all derer auf, die in Berlin leben und arbeiten, die aber irgendwo in Deutschland aufgewachsen sind. Wer dem Film nach den ersten Minuten eine Chance gibt, wird später gut unterhalten. Es bringt Spaß zu beobachten, dass das universitäre Milieu Westberlins, dass als Kontrast zu einem Dorf in Mecklenburg herhalten muss, durch die Bank unsympathisch ist. (MB)

„Wer ist Javier Milei?“ Wer einen flotten Zusammenschnitt poppiger Videoschnipsel zu und von Milei anschauen möchte, wird beim ZDF gut bedient. Der Beitrag ist schlüssig erzählt und zielt auf eine junge Zielgruppe. Milei kommt – wie ein Popstar – ziemlich gut weg. Was mir fehlt, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken einer libertären Wirtschaftspolitik. Diese ist im Fall Argentiniens eine Antwort auf Überregulierung und eine maßlose Staatsverschuldung. Und von ähnlichen Herausforderungen ist Europa vielleicht gar nicht so weit entfernt? (MB)

„Red Secrets – Im Fadenkreuz Stalins“ – ein Spielfilm von Agnieszka Holland: In dieser Co-Produktion (Großbritannien, Polen, Ukraine) aus dem Jahr 2019 geht es um die von Russland verursachte Hunger-Katastrophe in der Ukraine in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts, der vier Millionen Ukrainer zum Opfer gefallen sind. Es geht um Politik und die Untiefen des Journalismus. Der Film spielt größtenteils in Moskau und der Ukraine und beruht weitestgehend auf historischen Tatsachen. Es ist zwar teilweise etwas sperrig erzählt. Trotzdem ist der Film spannend. Die Regisseurin hat eindrucksvolle Bilder gefunden. Ihr könnt den Film bei Arte streamen. (MB)

„Kanzler kompakt / Politik, die das Leben leichter macht“ – Videocast des Bundeskanzlers: Scholz greift in seinem neuen Videocast mit dem Bürokratieabbaugesetz ein aktuelles Thema auf. Er bricht es auf konkrete Beispiele runter und fügt mit dem Deutschlandticket ein Beispiel hinzu, dass nichts mit dem Gesetz zu tun hat. Da das Format die breite Öffentlichkeit und nicht nur die Wirtschaft adressiert, macht das Sinn. Die Erfolge einer Bundesregierung gehen mit dem Bundeskanzler nach Hause, das ist oft zu lesen. Gelingt das bei diesem Thema auch? Vielleicht, aber die FDP hat auf allen Kanälen kommuniziert, dass nur ein Zehntel des Bürokratieabbauvolumens im Gesetz auf Initiativen aus SPD-Ministerien zurückzuführen sind. Und ist das Format sichtbar? Zumindest auf Insta funktioniert es; 7.000 Likes und 700 Kommentare. (MB)

Talkshow 13 Fragen „Politik nur für Alte? / Wird der jungen Generation die Zukunft verbaut?“: Eine konkrete Frage, 6 Gäste: 3 pro und 3 contra, Spielregeln – die ich nicht so ganz verstanden habe; das ist die Talkshow 13 Fragen. Besonders interessant und gut gecastet, sind die beiden Jungpolitiker. Ich bin trotzdem skeptisch, ob das Format bei jungen Menschen funktioniert. Es ist einfach zu lahmarschig. Inhaltlich war in der Sendung für mich nichts neu. Noch zwei Kritikpunkte: Um darzustellen, dass sich junge Menschen eher in NGOs als in Parteien engagieren, war eine NGO-Mitarbeiterin eingeladen. Das ist aber kein Engagement, es ist ein Job. Wolfgang Gründinger hat auch mitdiskutiert. Wolfgang ist immer ein guter Talkshowgast. Sobald es aber um Energiepolitik geht, sollte gekennzeichnet werden, dass er für das Energieunternehmen Enpal arbeitet. Ihr könnt die Sendung in der ZDF-Mediathek anschauen. (MB)