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„Grüne Fonds, die große Illusion?“: Auf Arte könnt Ihr hier eine Doku von Romain Girard und Matteo Born zu grünen Finanzprodukten und Greenwashing anschauen. Gut gemacht ist, dass versucht wird, die Verbraucherperspektive einzubeziehen, indem zwei Verbraucher die Ergebnisse der Recherche regelmäßig kommentieren. Bei der Recherche werden zwei Unternehmensbeispiele ausgeleuchtet, bei denen offensichtlich ist, dass diese Unternehmen nicht nachhaltig agieren. Sie sind aber dennoch Bestandteil nachhaltiger Anlageangebote. Auch die Verantwortlichen für diese Anlageprodukte machen – zwangsläufig – eine schlechte Figur im Interview. Interessant ist das on top Interview mit einer ehemaligen DWS-Mitarbeiterin zu Greenwashing. Nun ließe sich kritisieren, dass in der Doku anhand weniger Beispiele verallgemeinert und das gnadenlos personalisiert wird. Aber, das ist journalistisch absolut legitim. Darum sollte die Finanzbranche den Ball aufnehmen, bessere Produkte anbieten und das Thema vernünftig erklären. (MB)

“Inside PolitiX” zur Inflation: ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Britta Buchholz beackert in zehn Minuten die Inflationsentlastungspakete der Bundesregierung. Die Reihe schaut aus, wie für eine junge Zielgruppe konzipiert. Auf diese zielt auch die zentrale These der Folge, die Entlastungspakete seien sozial unausgewogen. Als Rechenbeispiel muss ein Studentenhaushalt herhalten. Es gibt ein zweites Beispiel mit den sich abzeichnenden jährlichen Mehrbelastungen für Familien. Hier wäre es interessant gewesen, die Entlastungen mal konkret gegenzurechnen. Ist das nun ein Beispiel für Thesenjournalismus? Entscheidet selbst. Hier der Link. (MB)

Stresemann / Briand – zwei Politiker als Symbol für die deutsch-französische Freundschaft: Gordian Maugg erzählt anhand der beiden maßgeblichen Politiker Gustav Stresemann und Aristide Briand die Geschichte eines Aufeinanderzugehens Deutschlands und Frankreichs nach dem ersten Weltkrieg. Menschen machen Politik gegen herausfordernde Widerstände. Das wird anhand von Originalaufnahmen, Filmausschnitten und nachgestellten Szenen mit den beiden Protagonisten sehr plastisch dargestellt. Grenzwertig finde ich die nachgestellten Interviews mit Personen der Zeitgeschichte. Damit wird den Zuschauern eine Authentizität vorgegaukelt, die es überhaupt nicht geben kann. Hier könnt Ihr die Doku bei Arte streamen. (MB)

„Gabor Steingart: Fall & Aufstieg des Journalismus“: Schön getitelt für den Auftritt von Steingart auf der diesjährigen OMR-Konferenz. Nun hat sich wahrscheinlich jeder von euch bereits eine Meinung zu Media Pioneer gebildet. Es lohnt sich dennoch, den Pitch mal anzuschauen. Journalismus ist ein emotionales Produkt. So muss es auch verkauft werden. Natürlich gehört Namedropping dazu. Das macht er gut. Und trotzdem haben sich bei mir während des im Vortrag eingespielten PR-Films die Zehennägel aufgestellt; aber im Marketing gilt nun mal: klotzen und nicht kleckern. Zum Schluss gibt es schulbuchmäßig ein klares Call to Action. Hier könnt ihr das Video anschauen. (MB)

Heard vs Depp / häusliche Gewalt: Konstanze Nastarowitz hat für ZAPP einen kurzen Beitrag gemacht, der den aufmerksamkeitsstarken Prozess, die Auswirkungen von Prozess-Livestreams, den Umgang damit auf Social Media und die Folgen für die Betroffenen von häuslicher Gewalt andiskutiert. Im schlimmsten Fall werden diese entmutigt, sich Hilfe in der Öffentlichkeit zu suchen, weil in diesem Fall das vermeintliche Opfer in einer Vielzahl von Memes lächerlich gemacht wird. Aber kann man das den Memes-Machern vorwerfen? Memes leben von kurzen Momenten, die eine enorme kommunikative Kraft entfalten. Davon gibt der Prozess sehr viel her. Für den politischen Raum ist interessant zu beobachten, wie sich eine digital geführte Debatte in unterschiedlichsten Contentformaten entwickelt. (MB)

Gehen wir gerade schnurstracks in eine Rezession?“ Die Macher des YouTube Kanals Finanzfluss beantworten diese Frage in ihrem aktuellen Video mit der Analyse gängiger Indikatoren vom Ifo-Geschäftserwartungsindex über die Entwicklung von Zinsen bis zu den Kosten für Kursabsicherungsgeschäften an der Börse. Es wird verständlich erklärt, wie die Indikatoren funktionieren. Um die Frage zu beantworten; eher nein. Der Kanal Finanzfluss hat eine Million Abonnenten und dürfte insbesondere bei jüngeren Zielgruppen für die Meinungsbildung bei Finanzthemen relevant sein. (MB)

State of Happiness: Seid ihr auf der Suche nach packender und politiknaher Unterhaltung? Dann lege ich euch die norwegische Serie „State of Happiness“ ans Herz. Ihr könnt sie aktuell auf Arte streamen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Ölindustrie im Norwegen der 70er-Jahre. Lokalpolitik wird auch da auf dem Golfplatz gemacht. Amerikaner crashen mit Norwegern und es geht um den Gegensatz von Arm und Reich; dass ist mir dann aber doch etwas zu klischeegesteuert erzählt. Der Main Charakter ist eine tolle Frau. Es gelingt den Machern der Serie sehr gut, sie in alle Handlungsstränge einzubinden und ihr Einfluss auf den Fortlauf der Handlung zu geben, ohne das sie immer die maßgeblichste Figur sein muss. (MB)

Daniel Donskoy: Die ZDF-Reihe GERMANIA zeigt kurze Porträts von Menschen, die in Deutschland leben. Daniel Donskoy ist Künstler, Musiker und Schauspieler mit ukrainischen, russischen und jüdischen Wurzeln. Interessant an dem Beitrag ist sein Blick auf Identität und das Zusammenleben in Deutschland. Im zweiten Teil des Beitrags geht es um den Krieg in der Ukraine. In Russland lebende Künstler werden hart bestraft, wenn sie sich gegen den Krieg positionieren. Darum hat Donskoy einen Anti-Kriegs-Song auf Russisch produziert. Hier geht es zum Beitrag. (MB)

Fokus Fleisch vor Ort bei VION in Buchlohe: In diesem drei-minütigen Video erfahrt ihr, welche Rolle Fragen der Nachhaltigkeit auf einem Schlachthof spielen; vom Abwasser bis zur Photovoltaik. Das ist gut gefilmt und wird von einem authentischen Protagonisten präsentiert. “Fokus Fleisch ist eine Informationsinitiative der Fleischwirtschaft, getragen von Unternehmen der Rind- und Schweinefleischerzeugung in Deutschland und unterstützt vom Verband der Fleischwirtschaft e. V. (VDF).” Man kann Verbandsarbeit und Kommunikation trennen, aber eigentlich gehört beides zusammen, oder? (MB)

„Die Saubermacher / Putzen, Schrubben, wenig Lohn“: Enrico Demurray und Charlotte Gerling gelingt in dieser halbstündigen ZDF-Doku ein sehenswerter Einblick in den Arbeitsalltag bei der Gebäudereinigungsbranche; vom Krankenhaus, über Privathaushalte, bei Firmenkunden bis zur Deutschen Bahn. Zentraler Spin: Harter Job für wenig Geld, trotz Tarifvertrag. Gilt das wirklich für die gesamte Branche? Ich bin gespannt, wie die Zukunftsfragen beantwortet werden, die in dieser Doku gestellt werden. Welche Auswirkungen hat die Anhebung des allgemeinen Mindestlohns; auch vor dem Hintergrund der steigenden Inflation? Welche Auswirkungen hat der Arbeitskräftemangel? Wie entwickelt sich der Wettbewerb auf dem Reinigungsmarkt? (MB)