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“Official Secrets – Gefährliche Wahrheit”: In der ZDF-Mediathek findet Ihr aktuell diesen spannenden Film von Gavin Hood. Es geht um eine Whistleblowerin beim englischen Geheimdienst, die Informationen zum Einstieg Großbritanniens in den Irak-Krieg an einen Journalisten weitergibt. Das moralische Dilemma, in dem sie steckt, wird immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert; ohne unnötige Längen und nicht auf Kosten der Handlung. Der Film ist unter anderen mit Keira Knightley, Rhys Ifans und Ralph Fiennes prominent besetzt. Er hat nur wenige pathetisch peinliche Momente. (MB)

Die Präsidentin: Machen Frauen besser Politik? Damit beschäftigt sich Yael Bartana in einem kurzweiligen kurzen Film, den Ihr hier auf Arte anschauen könnt. Es geht um eine all-female Regierung, die mit der Bedrohung durch Atomraketen eines Landes umgehen muss, dass von einem Präsidenten Twittler regiert wird. Dieser ist einem ehemaligen US-Präsidenten nachempfunden. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich jetzt wirklich ein typisch weibliches Verhandlungs- und Entscheidungsszenario gesehen habe. Die Feminismusreferenzen sind aber überzeugend. Sehr gut gefallen hat mir der Gastauftritt von Kübra Gümüşay. (MB)

„Die TikTok-Strategie der AfD“: In diesem Video auf dem YouTube-Kanal „Die da oben“ erfahrt Ihr von Jan Schipmann, wie die AfD TikTok nutzt und warum sie da sehr erfolgreich ist. Sie spielt nicht nach den vermeintlichen Regeln der Plattform. Ihr findet kaum Tanzvideos und lustigen Content. Stattdessen wird die Plattform mit Inhalten geflutet, die eigentlich für andere Plattformen produziert worden sind, wie zum Beispiel Ausschnitte aus Bundestagsreden. Die Verbreitung übernimmt eine Vielzahl von Accounts, von denen sich viele überhaupt nicht als AfD-Accounts zu erkennen geben. Die Partei kann sich auf eine sehr große Anzahl von Unterstützern verlassen. Diese arbeiten auch zusammen, um einzelne Videos zu pushen. Für mich schaut es so aus, als würde die AfD ihre erfolgreiche Facebook-Strategie einfach auf einer neuen Plattform recyceln. Und auch jetzt halten die anderen Parteien nicht dagegen. Hier könnt Ihr das Video anschauen. (MB)

Bosetti will reden … über das 9-Euro-Ticket: Kurzweiliges Politik-Comedy-Format mit Sarah Bosetti vom ZDF; passgenau für Social Media produziert. Mir gefällt die unterkühlte ironische Ansprache mit wohldosierten Punchlines und die gut geschminkt und frisierte Protagonistin. Inhaltlich ist es viel zu berechnenbar. Konservative und Liberale sind die Bösen, der Kanzler hat zu wenig Format; Gähn. Dabei wird das 9-Euro-Ticket ausdrücklich von der FDP gepusht. … und es kommt auch allen Besserverdienenden zugute. Also wo bleibt die sonst so beliebte Gießkannen-Kritik? (MB)

„Inflation – eine neue Bedrohung für die Weltwirtschaft?“: Damien Wanner gibt euch auf ARTE einen kurzen Denkanstoß zur Inflation. Sehr gelungen ist der Einstieg mit kurzen Statements; von Scholz, über den Papst, bis Putin. Wanners These ist, dass Krisen die entscheidende Ursache von Inflation sind; Corona und die Ukraine und in Zukunft die regelmäßig auftretenden Klimakatastrophen. Das stimmt, er übersieht aber, dass auch die Klimaschutzpolitik ein enormer Preistreiber ist. Das gilt für die Ausweitung der Verschuldung und für Klimaschutzmaßnahmen, die das Leben viel teurer machen. Skurril an dem Beitrag ist, dass Wanner auf die Geldpolitik nur mit einem dürren Nebensatz eingeht. (MB)

Next Level Homestory mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann: Wurde nicht in den eigenen vier Wänden von Marie-Agnes Strack-Zimmermann gedreht, fühlt sich trotzdem wie eine Homestory mit Tommi Schmitt an. Alles ist schick anzuschauen, auch wenn der Neuigkeitswert Null ist. Interessant sind die Reflexionen über das eigene Bild. Strack-Zimmermann verzichtet zum Beispiel auf einen Hochseilnetzauftritt. Dabei haben doch genau die Bilder den größten Unterhaltungswert, die ein bisschen edgy sind und die im schlimmsten Fall gegen einen verwendet werden können. Und jetzt kramt bitte in eurer Erinnerung nach dem Bild von Martin Schulz mit Hygienekappe, der in ein Matjes-Brötchen beißt. (MB)

Das Zentrum liberale Moderne oder „Staatsknete für die richtige Meinung“: Friedrich Küppersbusch hat einen sehr launigen Beitrag zur Finanzierung des Zentrums liberale Moderne gedreht. Mehr als eine Million Euro Fördermittel vom Bundespresseamt und aus dem Etat des Bundesfamilienministeriums sind innerhalb weniger Jahre an die Organisation geflossen. Macht es Sinn, von NGOs zu sprechen, wenn ein großer Teil der Etats von der Bundesregierung kommt? Vielleicht wäre es weniger schädlich, den Spendenabzug für politische Organisationen zu erleichtern und im Gegenzug auf deren staatliche Finanzierung zu verzichten? Hier könnt Ihr den Beitrag anschauen. (MB)

Ludwig Erhard – “Vater” der D-Mark“: Ludwig Erhard ist immer noch für viele konservative und liberale Politiker das wichtigste Vorbild. Vision, Intellekt, Gradlinigkeit, Entscheidungsfreude, Fleiß und Verantwortungsbewusstsein gepaart mit der Bereitschaft ins Risiko zu gehen, wenn es die Situation erfordert; Erhard kommt in diesem Interview dem Idealtypus des Politikers sehr nahe. Toll in dem Interview ist außerdem der Hamburger Akzent von Günter Gaus und insbesondere die Antwort von Erhard auf die Frage, wie viele Zigarren er denn am Tag rauche. Hier könnt Ihr das Video in der ZDF-Mediathek anschauen. (MB)

Borgen – die vierte Staffel: Nach neun Jahren Pause gibt es eine neue Borgen-Staffel auf Netflix. Mit dem Konflikt Wohlstand versus Klimaschutz haben die Macher der Serie die zentrale Frage zur Zukunft der Menschheit als Rahmen ausgewählt. Wie immer bei Borgen spielt die Rahmenhandlung auch in dieser Staffel nur eine Nebenrolle. Es geht erneut darum, wie Politik gemacht wird und natürlich um die Interaktion zwischen Politik und Medien. Gut gefällt mir, dass die Protagonisten sichtbar gealtert sind und alleine dadurch mehr Tiefe verströmen als in den ersten Staffeln. Wenn uns Birgitte Nyborg am Ende doch noch eine Lösung zur Rettung der Welt präsentiert, bin ich zufrieden. (MB)

„Duell ums Weiße Haus – Große Wahlkämpfe“: Diese Doku von Ingo Helm könnt Ihr über Netflix und andere Plattformen streamen. Ihr bekommt in 50 Minuten einen Überblick über Präsidentschaftswahlkämpfe in den USA; vom ersten TV-Duell zwischen Kennedy und Nixon 1960 bis zum ersten Obama Wahlkampf. In kleinen Geschichten – untermalt mit Experteninterviews – erfahrt Ihr, warum die einzelnen Kandidaten gewonnen oder verloren haben. Toll sind die vielen Originalausschnitte aus TV-Duellen. Und falls Ihr den Gänseblümchen-Wahlkampfspot noch nicht gesehen haben solltet? Alleine deswegen lohnt sich die Doku. Bester Kommuninkationstipp für Spots – baue auf vorhandenes Wissen der Zuschauer einen Handlungsstrang + Spannungsbogen auf, ohne dieses Wissen selbst zum Einstieg zu wiederholen. (MB)